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Jan 24

Stefan Schwytz brachte in seinem Blog “Baccantus” die Idee auf: den Menschen in Haiti muss geholfen werden; warum sollten nicht die Weinhändler, die im “WeinWeb” aktiv sind, ein Probierpaket zusammen stellen,  von dem ein gewisser Prozentsatz als Spende nach Haiti geht – der Käufer des Pakets sollte da noch mal etwas oben drauf legen.

Mit dieser Idee musste ich mich auseinander setzen; schliesslich bewege ich mich seit Jahren im WeinWeb und bin in einem sozial und ökologisch engagierten Unternehmen, das mit Wein handelt, beschäftigt. Mit der Idee “WeinWeb für Haiti” hatte ich aber meine Bauchschmerzen: für mich ist das eine unschöne Vermischung von Gewinn-Interesse und Spendenwilligkeit. Als Konsument stellt sich mir dabei die Frage: beteiligt sich ein Unternehmen an der Aktion, um neue Kunden zu gewinnen und mehr Wein zu verkaufen? Oder steht tatsächlich der gute Zweck im Vordergrund? Und wenn das so ist, warum nicht einfach direkt zur Spende aufrufen?

Ich möchte jetzt keinem der teilnehmenden Weingüter oder Weinhändler unterstellen, unter dem Deckmantel der Nächstenliebe Neukundengewinnung zu betreiben; ich kenne die Beteiligten und weiss, dass sie Gutes tun wollen. Trotzdem – meine persönliche Einstellung ist: wenn ich Wein kaufe, dann kaufe ich Wein. Und wenn ich für etwas spenden möchte, dann spende ich. Und nicht beides zusammen.

Natürlich haben wir die Aktion auch intern bei Delinat diskutiert: Delinat positioniert sich nicht nur als ökologisches, sondern auch als sozial fortschrittliches Unternehmen. Müssten wir da nicht teilnehmen an einer solchen Aktion (die natürlich immer auch öffentlichkeitswirksam ist)? Nein.

Erst im Gespräch mit Gründer Karl Schefer erfuhr ich, dass Delinat vor einigen Jahren noch jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin 1000 Franken pro Jahr zur Verfügung gestellt hatte, die diese dann nach eigenem Gutdünken an soziale Organisationen verteilen konnten. Diese Regelung gibt es heute nicht mehr – denn  inzwischen gehen immerhin 1% des Umsatzes an eine gemeinnützige Stiftung, das Delinat-Institut. Dort wird Ökologieforschung betrieben – was der Menschheit dann auf andere Weise zu Gute kommen kann. Das ist die Kern-Kompetenz von Delinat, und da können wir sinnvoll etwas bewirken.

Sicher muss man den Menschen in Haiti, im Senegal und an vielen anderen Orten der Erde helfen; Spendenaufrufe gibt es zur Zeit genügend, so dass jeder sein Geld an die entsprechenden Stellen verteilen kann.

4 Responses to “WeinWeb für Haiti”

  1. beingmenow sagt:

    Muss sich nicht jedes Unternehmen, das sich in ähnlicher Weise bemüht, diesem Vorwurf stellen?
    Ich betrachte es als klassische Win-Win-Situation: Warum soll nicht der ein oder andere Neukunde bei derartigen Aktionen “kleben” bleiben? Ich kann mir vorstellen, dass damit manch ein Spender aktiviert wird, der ansonsten nicht gespendet hätte.
    So lange sichergestellt ist, dass die Spenden ihrem Verwendungszweck zugefährt werden, finde ich die Aktion sehr begrüßenswert.

  2. Pasta sagt:

    Ich kann deine Bedenken gut verstehen. Würde es auch für sinnvoller halten, wenn spendenwillige Weinhändler und Weinkäufer jeweils den direkten Weg der Spende wählen würden, und das Geschäft davon unberührt bliebe..

  3. @Pasta:
    Die Frage ist doch genau, welche Weinkäufer den direkten Weg der Spende überhaupt wählen würden. Aus meiner Sicht ist der Gesamtnutzen einer solchen Aktion auf jeden Fall positiv – für alle Beteiligten:
    - Wer aus eigenem Antrieb heraus direkt spenden will, wird das sowieso tun und seine Spende nicht etwa reduzieren, um stattdessen Wein zu kaufen.
    - Wer vor allem wegen des Sonderangebotes bei der Aktion zuschlägt, hat trotzdem was Gutes für Haiti getan und das Spendevolumen netto erhöht.

  4. Stefan sagt:

    “Trinken für Haiti, Verkaufen für die Armen“ – Das Problem ist nicht neu, aber es ist gut, sich auch immer wieder damit auseinanderzusetzen.

    Die Frage nach den Handlungsmotiven ist ein Klassiker der Moralphilosophie, sie wird aber auch in der Spieltheorie und in vielen anderen Wissenschaftsdisziplinen beleuchtet.

    Es wäre natürlich schön, wenn wir alle von uns selbst aus spenden würden, und am besten auch aus rein altruistischer Motivation heraus. Dann wären die ganze Aktion und der Zeitaufwand dafür entbehrlich gewesen.

    Rein altruistischem Verhalten begegnet man jedoch bekanntlich sehr selten und auch ein moralisch vielleicht vorwerfbares oder fragwürdiges Motiv (was beim Verkaufen von legalen Waren sicherlich nicht der Fall ist) vermag unter Umständen eine im normativen Sinne für sich allein genommen positive Handlung bewirken.

    Der Spender oder Spendensammler sieht sich oft dem Vorwurf ausgesetzt, er handle aus anderen oder weiteren Motiven als aus einem reinen Akt der Selbstlosigkeit heraus.

    „The warm glow of giving”, Prestige, Reputation, steuerliche Absetzbarkeit, ein guter Platz im Jenseits, Aussicht auf einen Lotterie-Gewinn – wenn man eine Weile darüber nachdenkt, fallen einem einige Motivationsgründe ein, aufgrund derer Menschen zu Spendern werden.

    Die Aktion Mensch hat seit Gründung über zwei Milliarden Euro für moralisch einwandfreie und lobenswerte Projekte eingesetzt. Dass diese aus einer Lotterie stammen und die Spieler neben dem guten Zweck auch ihre Sofortrente im Motivbündel haben, ist offensichtlich, aber kaum verwerflich. Zweckorientiert betrachtet eine gute und effektive Aktion.

    Die Aktion „WeinWeb für Haiti – Deine Hilfe zählt“ ist der Versuch, etwas für die Menschen in Haiti zu tun und möglicherweise auch den ein- oder anderen zu erreichen, der eben nicht aus rein altruistischen Motiven zum Spender wird, vielleicht aber dann, wenn er sich dafür mit einem Weinpaket belohnt sieht – oder eben einfach so spendet, weil er eben durch die Aktion angeregt wurde, dies zu tun, auch wenn der Weinkeller voll ist.
    Oder vielleicht (nach Erforschung der eigenen Motivation natürlich;-) selbst eine Aktion starten?

    Mit einem lauten „Ja, aber“ sehenden Auges gar nichts zu tun erschien mir jedenfalls auch in moralischen Begrifflichkeiten keine erstrebenswerte Handlungsalternative…

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