Dez 28

Anfang Dezember las ich im Winzerblog: “Lange schon habe ich überlegt wie ich das Projekt Winzerblog ordentlich beenden könnte, …” und wollte meinen Augen kaum trauen. Seit ich mich mit dem Thema Wein online beschäftige (und das ist schon eine Weile), gibt es das Winzerblog. Damals konnte man die Zahl der Weinblogs noch an den Fingern zweier Hände abzählen… Das Winzerblog beenden heisst nichts weniger als eine Ära zu beenden - jedenfalls in meinen Augen. Thomas, du bist immer für eine Überraschung gut – und ich bin gespannt,was als nächstes kommt.

Thomas wäre nicht der Winzerblogger, wenn er dieses Ende nicht mit einer tollen Aktion einläuten würde, die Spass macht, der Vernetzung unter Wein- und Foodbloggern behilflich ist, und mich verleitet, mal wieder einen Blogartikel zu schreiben. Und zu einem spannenden Wein verholfen hat die Aktion mir auch noch, aber dazu später.

bee-Riesling, im Sommer genossen

bee-Riesling, im Sommer genossen

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft: Das war das Motto, ein Blogger macht dem nächsten ein Weingeschenk – und erhält natürlich auch ein solches. Mein Wein ging an @babsannette. Da ich nicht wusste, welche Weine ihr gefallen, habe ich ihr einen geschickt, der mir gefällt: einen Riesling der Edition bee von Timo Dienhart. Gibts auch bei meinem Arbeitgeber Delinat, aber nicht deswegen habe ich ihn gewählt, sondern weil ich erstens Mosel-Rieslinge mag, zweitens Timo Dienhart als engagierten Biowinzer mag, und drittens weil die Edition bee eine tolle Idee ist. Via Twitter habe ich schon gehört, dass auch @babsannette der Wein gefallen hat – genaueres werden wir in ihrem Artikel lesen.

Mitte Dezember schon kam mein Wein –  von Dirk Würtz. Damit war schon mal klar: Es wird nicht langweilig werden. Als ich das Paket öffnete, war ich doch erstaunt: Ein Blanc de Blancs? Aus dem Rheingau? Ich dachte, da gibts nur Riesling und ein bisschen Spätburgunder! Kurze Nachfrage bei Tante Google ergab: Im Weingut Ress gab es erstmals 2007 den Blanc de Blancs, damals wohl aus Weissburgunder. Mehr war nicht zu finden.

Vor einer Woche dann: Ok, wann trinken wir ihn? Am Abend sollte es Spaghetti mit Räucherlachs geben, könnte vielleicht passen. Beim Kochen probierte ich gleich mal einen Schluck – und obwohl ich auf eine Überraschung gefasst war, war das Erstaunen noch grösser als geplant: Wie bitte? Zum Teilen des Erstaunens rief ich schnell meine Frau dazu. Die probierte ebenfalls und sagte: “Manche sehen eben mit 25 schon aus wie 50!” Meinte das aber gar nicht negativ, sagte sie dazu.

Der Probierschluck für den Koch

Der Probierschluck für den Koch

Was war im Glas? Aus der Erinnerung ohne Notizen: Ziemlich gelb sah das aus – gereift? Gar bereits oxidiert? Es kam mir keine Primärfrucht entgegen geweht, aber kräuterwürzige, intensive und komplexe Aromen – irgendwie so ganz anders. Hatte Dirk einen alten Jahrgang in die mit 2011 etikettierte Flasche gemogelt? Nein, auch nicht. Es gab zwar Reifenoten, aber alt schmeckte der Wein nicht. Am Gaumen dann schöner Schmelz, Säure gut eingebunden, wieder Kräuterwürze, Tabak, Leder… Das erinnerte mich doch an Weine, die gerade so ein bisschen im Trend sind: die so genannten Naturweine (schon 2x Thema einer Weinrallye). Ein Naturwein à la Würtz?

Die Nudeln habe ich also kräftig abgeschmeckt, bisschen Sahne frisch von der demeter-Kuh (auch die hat einen speziellen, intensiven Geschmack. Natursahne quasi), bisschen Chili, bisschen Blanc de Blancs. Das passte dann soweit.

Bevor ich da aber jetzt etwas ganz Falsches schreibe, habe ich heute nach dem Wein gefragt und Dirk noch schnell via FB kontaktiert: “Sieben Tage Maischemazeration, maischevergoren, dann neues Tonneau, ungeschönt, nicht filtriert und fast ohne Schwefel… Mein Beitrag zur Globalisierung” schrieb Dirk zurück. Aha. Rebsorte? “Weissburgunder, das ist aber nebensächlich. Es geht um die  Machart.” Stimmt. Eine Rebsorte war nicht zu identifizieren. Die Machart hingegen: Speziell. Muss man mögen. Ich mag.

Und jetzt bin ich gespannt. Ein Rest ist noch in der Flasche, wartet im Kühlschrank, gleich zum Apero (das Wort habe ich aus der Schweiz übernommen, weil es mir so gut gefällt). Laut Dirk wird der Wein “stehen wie eine 1″, auch nach einer Woche. Gleich mehr dazu.

Update zwei Stunden später: Dirk hatte Recht: Der Blanc de Blancs steht nicht nur immer noch wie eine 1, wir hatten gar das Gefühl, er hat sich noch geöffnet: Jetzt waren gar fruchtige Aromen zu erspüren, gelbe Pflaumen, vielleicht getrocknete Aprikosen Feigen und Äpfel. Meine Frau sagt, die Säure sei jetzt (ihr zu) prägnant – mir war’s recht. Wunderlicher Naturwein à la Würtz.

4 Responses to “Weinrallye #58: Wein schenken oder das Ende des Winzerblogs”

  1. Julia sagt:

    Ich zitiere: “Ein Blanc de Blancs? Aus dem Rheingau? Ich dachte, da gibts nur Riesling und ein bisschen Spätburgunder! ” Oha! Da muss aber jemand mal dringend auf die Weinwoche der Rheingauer Winzer in Wiesbaden eingeladen werden: über 100 Winzer aus der Region stellen ihre Weine und Sekte vor – vom Probierglas bis zur Flasche kann alles getrunken und verkostet werden. Deal?

  2. Matthias Metze sagt:

    Natürlich war mir klar, dass es noch einige weitere Rebsorten im Rheingau gibt – wenn auch nur in kleinen Mengen. Aber ich erinnere mich nicht, mal einen Weissburgunder aus dem Rheingau probiert zu haben.

    Einladung: Ja, wann denn? Wenn ich es einrichten kann, gern!

  3. Orville sagt:

    This content is very informative but it took me a
    long time to find it in google. I found it on 18 spot,
    you should focus on quality backlinks building, it
    will help you to rank to google top 10. And i know how
    to help you, just search in google – k2 seo tips and tricks

  4. Kali sagt:

    I read a lot of interesting posts here. Probably you spend a lot of time writing, i know how to save you a lot of time, there is an online tool
    that creates unique, google friendly posts in minutes, just type in google
    - laranitas free content source

Leave a Reply

preload preload preload