Weinrallye #30 – Naturwein aus dem Wallis

Nun also noch mein eigener Beitrag zu dieser Weinrallye. Was ist Naturwein? Später, in der Zusammenfassung dieser Weinrallye werde ich mich an einer Synthese der bisher gehörten Definitionen versuchen – und meine Interpretation davon.

Domaine de Mythopia
Domaine de Mythopia
Domaine de Mythopia

Zunächst also zum Wein. Einige werden es bereits vermutet haben: mein Wein kommt aus dem Schweizer Wallis, von der Domaine de Mythopia. Das ist das Versuchs-Weingut des Delinat-Instituts; Hans-Peter Schmidt wirkt dort, in Steilhängen in etwa 800m Höhe, nicht weit von Sion. Die Weinberge sind sehenswert – eben voller Natur! Denn ein Hauptanliegen der Forschung des Instituts ist die Biodiversität im Weinberg. Da fliegen Bienen und Schmetterlinge, wachsen Tomaten und Erdbeeren, blühen Obstbäume und Blumen. Wer mehr darüber wissen will: im Oktober letzten Jahres war ich selbst dort – und regelmässig berichtet das Ithaka-Journal über die Aktivitäten dort.

Clos des Martyres 2007

Zurück zum Wein: ein Pinot Noir, Clos des Martyres 2007. Pinot Noir ist der meist angebaute Rotwein der Schweiz und wohl auch des Wallis. Aber es gibt wohl nur wenige wie diesen. Zutaten in diesem Wein waren nur Trauben und Luft – und vielleicht noch einige Hefen, Bakterien und andere kleine Helferlein, die in der Luft und auf der Traubenhaut herumschwirrten.

Pinot Noir Clos des Martyres 2007
Pinot Noir Clos des Martyres 2007

Das Protokoll der Herstellung, mit den Worten des Winzers: „Lese: 21.10.2007. Das Lesegut wurde an Hanglange in der Herbstsonne aufgewärmt. Am Nachmittag entrappt und eingemaischt. 40 Tage Maischegärung. Sanft abgepresst, 2 Tage
absetzen lassen, dann in 4jähriges Eichenholzfass (400l). Gelegentliches Batonieren. 22-Monate Ausbau. Natürliche Kaltstabilisierung. Abfüllung durch Gravitation. So einfach ist das.

Degustation am ersten Tag

Auf dem Etikett steht „Pinot noir naturel“; oft ist bei solchen Weinen nirgends etwas von „bio“ oder „Naturwein“ zu lesen, nur „non filtré“, nicht filtriert. Eingeweihte wissen dann, dass bei diesem Wein nichts vertuscht wurde. Eine Stunde vor dem ersten Verkosten, vor nun einer Woche, öffnete ich die Flasche. Meine Notizen: „Aromen von roten und schwarzen Beeren (Brombeeren!), schwarze Kirschen, intensiv aber nicht aufdringlich; am Gaumen samtig, feinkörniges Tannin, gute Säure, Beeren, elegant, leicht – sehr gute Länge„. Die nur 12 vol% Alkohol machen den Wein elegant und unbeschwert.

Zweiter und dritter Tag

Auf Rat von Hans-Peter Schmidt nahmen wir am ersten Tag nur einen kleinen Schluck aus der Flasche, um die Entwicklung des Weines über mehrere Tage zu verfolgen; die Notizen des zweiten Tages: „Aromen: komplexer, etwas erdiger, Leder(?), intensiver am Gaumen, aber nach wie vor schlanker Körper; schöne Länge„. Der dritte Tag brachte dann folgendes: „mehr schwarze Kirschen, kräftiger, noch intensiver; dunkle Schokolade, fülliger; Leder am Gaumen intensiver, Frucht am Gaumen weniger; kräftiger, mehr Körper„.

Höhepunkt?

Entscheidend bei Naturweinen ist, dass sie unter Sauerstoffeinfluss weiterleben“ sagt Hans-Peter Schmidt – auf dem Höhepunkt seien sie erst nach 7 Tagen. An den folgenden Tagen konnte ich dann wegen Abwesenheit nicht weiter verkosten. Am siebten Tag war ich wieder zu Hause, und sehr gespannt. Die Flasche war noch mehr als halbvoll, und wir hatten Freunde eingeladen, darunter ein vinophiler Südfranzose, der bevorzugt eben solche Naturweine trinkt. Und der Wein hatte sich weiter verändert: „besser (auch wenn das keine spezifische Aussage ist), Frucht nicht mehr so intensiv, etwas Brombeere ist noch da; öffnet sich am Gaumen, explodiert fast; zart-bittere Schokolade, deutlich Leder, komplexer, gewichtiger, reifer, rote Früchte ganz hinten im Abgang„.

Auf dem Höhepunkt? Ja, schon. Aber am ersten Tag war der Clos des Martyres auch schon sehr gut, frischer eben. Ich könnte mich nicht entscheiden, wenn ich bestimmen müsste, was nun der beste Zeitpunkt ist, diesen Wein zu trinken. Eins aber weiss ich genau: wenn ich das nächste Mal im Wallis bin, nehme ich mir einige Flaschen des knappen Weins mit – und wäre gespannt, wie sich der Wein in drei, fünf oder zehn Jahren macht. Und ich werde weiterhin solche Naturweine suchen – die nächsten hoffentlich vom Weingut Lisson, dessen Weine ich ja immer noch nicht verkosten konnte…

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