Weinrallye #100:

100 x Weinrallye! Das ist doch ein guter Anlass, diesem Blog nach anderthalb Jahren (!) mal wieder einen Artikel hinzuzufügen. Die Weinrallye… da kann man ja fast schon nostalgisch werden. Die Weinrallye gehört irgendwie zu meinem Einstieg in die Bloggerwelt dazu, genau wie ihr Initiator, der Winzerblogger Thomas Lippert: 2006 startete ich mein Biowein-Blog, 2007 erhielt die (noch sehr überschaubare) deutsche Weinblog-Szene richtig Schwung durch die ersten Weinrallyes.

100 x Weinrallye!
100 x Weinrallye!

Neue Weinblogger wurden damals noch mit (virtuellem) Handschlag begrüsst, es herrschte Aufbruchstimmung, das Bloggen war eine neue aufregende Welt. Vieles hat sich seitdem verändert, in letzter Zeit habe ich die Weinrallye ehrlich gesagt, nicht mehr so genau verfolgt. Meine „aktive“ Zeit lag so ungefähr zwischen dem ersten und dem fünfzigsten Beitrag. Die Rallye ist auch ohne mich 100 geworden – das freut mich sehr!

Denn einige Punkte schätze ich nach wie vor sehr an diesem virtuellen Event:

  • Die Weinrallye ist unkommerziell.
  • Die Weinrallye dient der Vernetzung.
  • Die Weinrallye hat mich mit tollen Menschen bekannt gemacht.
  • Die Weinrallye bringt für spannende Themen, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet werden.
  • Die Weinrallye ist quasi basisdemokratisch organisiert.
  • Die Weinrallye ist nicht von einzelnen Personen abhängig, sondern von der Gemeinschaft der Weinblogger.
  • Die Weinrallye wurde schon mehrmals totgesagt – aber sie ist zäh und hat sich immer wieder belebt.
  • Sicher fehlen noch einige Punkte. Wenn ihr welche ergänzen wollt,  kommentiert bitte unten 🙂

Gerade habe ich mal gezählt: 33 Weinrallye-Beiträge (diesen hier mitgezählt) habe ich in meinen Blogs gefunden, davon 26 in meinem alten Viva-Vino Biowein-Blog (die sind noch online, unter anderem Namen und anderer Führung). Ganze sieben Artikel seit September 2009 sind auch hier auf Social Wine zu finden. Das macht gerade mal einen  pro Jahr…  Gleich die dritte Rallye hatte ich als Gastgeber durchgeführt: Das Thema war Bio-Riesling! Als Gastgeber durfte ich auch die dreissigste Rallye zusammenfassen, diesmal mit dem Thema Naturwein. Naturwein war übrigens meines Wissens das einzige Thema, das in zwei Rallyes thematisiert wurde: Auch die 50. Weinrallye sammelte Beiträge zum Naturwein, zusammen gefasst übrigens von Iris Rutz-Rudel.

Die hundertste Weinrallye ist für mich ein Anlass, an die vergangene Zeit, meine „aktive“ Zeit, zurück zu denken. Und, liebe Weinrallye, ich muss dir sagen: Vielen Dank für alles! Ich wünsche dir noch ein ganz langes Leben, und verspreche, dass ich mich daran beteiligen werde – sicher nicht mehr so regelmässig wie früher, aber doch immer wieder mal.

PS: Jetzt habe ich nicht – wie sonst immer – beim Schreiben des Artikels hin und wieder kleine Schlucke vom meinem Weinrallye-Wein genommen. Es steht gar kein Wein neben mir auf dem Tisch. Ich widme diesen Beitrag einem Wein, den ich kürzlich getrunken habe, einfach weil es so gut passt: Vor kurzem habe ich mit Weinrallye-Initiator Thomas Lippert eine Flasche des hervorragenden Riesling-Sekt von Harald Steffens getrunken. Ein Beispiel dafür, wie durchs Bloggen und die Rallyes Freundschaften entstehen können, die übers Virtuelle hinausgehen. Meinen Weinrallye-Beitrag widme ich diesem Genussmoment!

Weinrallye #58: Wein schenken oder das Ende des Winzerblogs

Anfang Dezember las ich im Winzerblog: „Lange schon habe ich überlegt wie ich das Projekt Winzerblog ordentlich beenden könnte, …“ und wollte meinen Augen kaum trauen. Seit ich mich mit dem Thema Wein online beschäftige (und das ist schon eine Weile), gibt es das Winzerblog. Damals konnte man die Zahl der Weinblogs noch an den Fingern zweier Hände abzählen… Das Winzerblog beenden heisst nichts weniger als eine Ära zu beenden – jedenfalls in meinen Augen. Thomas, du bist immer für eine Überraschung gut – und ich bin gespannt,was als nächstes kommt.

Thomas wäre nicht der Winzerblogger, wenn er dieses Ende nicht mit einer tollen Aktion einläuten würde, die Spass macht, der Vernetzung unter Wein- und Foodbloggern behilflich ist, und mich verleitet, mal wieder einen Blogartikel zu schreiben. Und zu einem spannenden Wein verholfen hat die Aktion mir auch noch, aber dazu später.

bee-Riesling, im Sommer genossen
bee-Riesling, im Sommer genossen

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft: Das war das Motto, ein Blogger macht dem nächsten ein Weingeschenk – und erhält natürlich auch ein solches. Mein Wein ging an @babsannette. Da ich nicht wusste, welche Weine ihr gefallen, habe ich ihr einen geschickt, der mir gefällt: einen Riesling der Edition bee von Timo Dienhart. Gibts auch bei meinem Arbeitgeber Delinat, aber nicht deswegen habe ich ihn gewählt, sondern weil ich erstens Mosel-Rieslinge mag, zweitens Timo Dienhart als engagierten Biowinzer mag, und drittens weil die Edition bee eine tolle Idee ist. Via Twitter habe ich schon gehört, dass auch @babsannette der Wein gefallen hat – genaueres werden wir in ihrem Artikel lesen.

Mitte Dezember schon kam mein Wein –  von Dirk Würtz. Damit war schon mal klar: Es wird nicht langweilig werden. Als ich das Paket öffnete, war ich doch erstaunt: Ein Blanc de Blancs? Aus dem Rheingau? Ich dachte, da gibts nur Riesling und ein bisschen Spätburgunder! Kurze Nachfrage bei Tante Google ergab: Im Weingut Ress gab es erstmals 2007 den Blanc de Blancs, damals wohl aus Weissburgunder. Mehr war nicht zu finden.

Vor einer Woche dann: Ok, wann trinken wir ihn? Am Abend sollte es Spaghetti mit Räucherlachs geben, könnte vielleicht passen. Beim Kochen probierte ich gleich mal einen Schluck – und obwohl ich auf eine Überraschung gefasst war, war das Erstaunen noch grösser als geplant: Wie bitte? Zum Teilen des Erstaunens rief ich schnell meine Frau dazu. Die probierte ebenfalls und sagte: „Manche sehen eben mit 25 schon aus wie 50!“ Meinte das aber gar nicht negativ, sagte sie dazu.

Der Probierschluck für den Koch
Der Probierschluck für den Koch

Was war im Glas? Aus der Erinnerung ohne Notizen: Ziemlich gelb sah das aus – gereift? Gar bereits oxidiert? Es kam mir keine Primärfrucht entgegen geweht, aber kräuterwürzige, intensive und komplexe Aromen – irgendwie so ganz anders. Hatte Dirk einen alten Jahrgang in die mit 2011 etikettierte Flasche gemogelt? Nein, auch nicht. Es gab zwar Reifenoten, aber alt schmeckte der Wein nicht. Am Gaumen dann schöner Schmelz, Säure gut eingebunden, wieder Kräuterwürze, Tabak, Leder… Das erinnerte mich doch an Weine, die gerade so ein bisschen im Trend sind: die so genannten Naturweine (schon 2x Thema einer Weinrallye). Ein Naturwein à la Würtz?

Die Nudeln habe ich also kräftig abgeschmeckt, bisschen Sahne frisch von der demeter-Kuh (auch die hat einen speziellen, intensiven Geschmack. Natursahne quasi), bisschen Chili, bisschen Blanc de Blancs. Das passte dann soweit.

Bevor ich da aber jetzt etwas ganz Falsches schreibe, habe ich heute nach dem Wein gefragt und Dirk noch schnell via FB kontaktiert: „Sieben Tage Maischemazeration, maischevergoren, dann neues Tonneau, ungeschönt, nicht filtriert und fast ohne Schwefel… Mein Beitrag zur Globalisierung“ schrieb Dirk zurück. Aha. Rebsorte? „Weissburgunder, das ist aber nebensächlich. Es geht um die  Machart.“ Stimmt. Eine Rebsorte war nicht zu identifizieren. Die Machart hingegen: Speziell. Muss man mögen. Ich mag.

Und jetzt bin ich gespannt. Ein Rest ist noch in der Flasche, wartet im Kühlschrank, gleich zum Apero (das Wort habe ich aus der Schweiz übernommen, weil es mir so gut gefällt). Laut Dirk wird der Wein „stehen wie eine 1“, auch nach einer Woche. Gleich mehr dazu.

Update zwei Stunden später: Dirk hatte Recht: Der Blanc de Blancs steht nicht nur immer noch wie eine 1, wir hatten gar das Gefühl, er hat sich noch geöffnet: Jetzt waren gar fruchtige Aromen zu erspüren, gelbe Pflaumen, vielleicht getrocknete Aprikosen Feigen und Äpfel. Meine Frau sagt, die Säure sei jetzt (ihr zu) prägnant – mir war’s recht. Wunderlicher Naturwein à la Würtz.

Weinrallye #50 Naturwein: ein betagter Fendant „non filtré“

Weinrallye
Weinrallye

Die 50. Weinrallye, ein Jubiläum! – und das zweite Mal zum Thema Naturwein: Jetzt will Iris Rutz-Rudel etwas dazu lesen. So kann ich die Definition des Begriffs „Naturwein“ aber Anderen überlassen (z.B. hier) und mich ganz dem Weinerlebnis widmen.

Weinerlebnis kann man wirklich sagen, denn der Besuch bei diesem Winzer ist jetzt fast zwei Jahre her und mir noch sehr eindrücklich im Gedächtnis. Der Wein, der jetzt vor mir steht, stammt noch von diesem Besuch: Ein Fendant* (= Chasselas = Gutedel) aus dem Jahr 2008. Der Winzer heisst Jacques Granges und das Weingut liegt im Himmel. Wirklich wahr, „Les vignes dans le ciel“ steht auf dem Etikett und so ganz falsch ist das nicht: Auf 900 Metern Höhe im schweizerischen Wallis liegt die Domaine de Beudon. Wenn man dorthin will, muss man der privaten Seilbahn vertrauen – oder den steilen Aufstieg zu Fuss auf sich nehmen, was wir damals bevorzugten.

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Beschwerlicher Aufstieg…
Jacques Granges
Jacques Granges

Einige Hürden waren zu nehmen, zum Beispiel ein reissender Bergbach – der leider auch die Brücke schon mit sich gerissen hatte. Irgendwie kamen wir rüber, und als wir endlich oben ankamen und Jacqui uns grinsend wie ein Waldschrat erwartete, hatten einige von uns das Gefühl, nach beschwerlicher Expedition endlich das Ziel erreicht zu haben. Und oben war es ganz paradiesisch, trotz Nieselregens: Weinreben, Kräuter, Blumen, Kastanien- und Mandelbäume. Trockensteinmauern, Gemüse und Bienen. Biodiversität im Weinberg, so ganz selbstverständlich.

Dann wurde es noch besser: In der gemütlichen Küche wartete eine dampfende Gemüsesuppe auf uns – und Jacqui zog einen Wein nach dem anderen auf, spannend waren einige davon (Notizen habe ich keine, nur die Erinnerung): Unter anderem diverse Riesling x Sylvaner (= Müller-Thurgau) und Fendants, die ein Alter erreicht hatten, das für diese Rebsorten ganz und gar ungewöhnlich ist – aber tatsächlich zum Teil noch frisch und fruchtig genossen werden konnten. Eigentlich schmeckten alle Weine in diesen Stunden in der Küche, waren perfekt. Das konnte auch gar nicht anders sein, denn die Wahrnehmung von Wein ist subjektiv – und nach einer solchen Wanderung und einem solchen Empfang kann es kaum Enttäuschungen geben.

Bunter Weinberg
Bunter Weinberg
... der beste Platz ist immer in der Küche.
… der beste Platz ist immer in der Küche.

Aber einige Weine hielten auch zu Hause noch, was sie dort oben, „dans le ciel“ versprochen hatten. In Erinnerung sind mir noch ein Riesling x Sylvaner von 2004 und ein Gamay von 2006. Mindestens 20 Weine degustierten wir, ein jeder brauchte seine Zeit, so dass wir stundenlang in der Küche sassen – bei dem grossen Topf Gemüsesuppe (aus dem eigenen Garten, die Granges sind Selbstversorger dort oben), der nicht leer zu werden schien und eben den Weinen. Mehrfach verschoben wir den Aufbruch, obwohl wir noch mit Marie-Therese Chappaz verabredet waren, der Star-Winzerin im Wallis. Als wir schliesslich dort angekommen waren, blieb nur noch Zeit für eine Verkostung auf Speed – aber das ist eine andere Geschichte.

Achso: Die Weine der Domaine de Beudon werden seit Jahrzehnten biodynamisch angebaut, nach Demeter-Richtlinien. Ich glaube, leicht geschwefelt sind sie schon, aber sonst ist nicht viel damit passiert. Naturweine. Non filtré.

Les vignes dans le ciel
Les vignes dans le ciel
Fendant zu Hause
Fendant zu Hause

Mein Wein gestern und heute Abend: Fendant 2008. Gestern Abend zum Apero musste man sich erst dran gewöhnen, keine Primäraromen, aber  intensiv, mineralisch und eindrückliche kräuterige, würzige Aromen, die sich am Gaumen fortsetzen. Heute Abend kommt er mir zugänglicher vor – oder liegt es daran, dass ich gerade die Geschichte aufschreibe? Wein ist eben subjektiv.

Was ich ausserhalb der Weine spannend fand: Die Tochter von Jacqui und Marion, schon längst erwachsen, erzählte uns von ihrem beschwerlichen Schulweg früher. Zu Fuss, wie sonst? Das arme Kind, denkt man sich. Eine Weile war sie weg, als sie erwachsen war, draussen in der Welt. Jetzt ist sie wieder da – mit ihrem eigenen Kind, das nun dort, „dans le ciel“ aufwächst…

*Disclaimer: Ich arbeite bei Delinat, wo inzwischen auch ein Fendant der Domaine Beudon erhältlich ist, allerdings ein junger: Jahrgang 2010.

Weinrallye #32: Pinot Noir – Spätburgunder

Iris Rutz-Rudel stellte das Thema der 32. Weinrallye: Pinot Noir – Spätburgunder sollte es sein. Nachdem die letzten Weinrallyes von der Beschaffung (Schweizer Weine, Naturwein) oder aber der Geschichte her (Faszination Wein) gar nicht so einfach waren, scheint dieses Thema doch machbar zu sein.

Blauburgunder aus der Schweiz

Was sich als Trugschluss heraus stellte: eigentlich hatte ich für meinen Beitrag einen Wein aus der Schweiz ausgeguckt, den Malanser Blauburgunder von Louis Liesch. Kollege Dominik hatte mich neugierig gemacht auf den Wein – mein Arbeitgeber Delinat vertreibt den zwar, aber ich hatte noch nicht das Vergnügen gehabt, ihn zu verkosten. So nahm ich mir denn bei meinem letzten Aufenthalt in St. Gallen eine Flasche mit.

Fussball und Wein geht nicht zusammen

Aber – das Vergnügen sollte mir verwehrt bleiben: als ich letzte Woche nach dem Fussballtraining nach Hause kam, fand ich Frau und Schwägerin am Tisch sitzend vor – zwischen sich eine geöffnete und fast geleerte Flasche Malanser Blauburgunder! Nach beider Aussage ein sehr feiner Wein; ich aber kann der Verbindung Sport und Wein nichts abgewinnen (im Gegensatz zu anderen Blogger-Kollegen), öffnete eine Flasche Bier und freute mich am Genuss der beiden.

Pinot Noir – entspannt geniessen

Den Malanser Blauburgunder findet man aber sehr schön bei Dominik beschrieben – inklusive Informationen zum Anbaugebiet Bündner Herrschaft und zum Winzer-Ehepaar. Heute Abend werde ich trotzdem die Weinrallye würdigen und eine schöne Flasche Pinot Noir von Dirk Würtz öffnen. Winzer und Wein sind im WeinWeb nahezu omnipräsent – daher werde ich mir die Beschreibung beider ersparen und ganz entspannt geniessen!

Weinrallye #30 -Naturwein: die Zusammenfassung

So, nun ist auch der Beitrag von Iris Rutz-Rudel vom Weingut Lisson eingetrudelt, und ich kann mit der Zusammenfassung der 30. Weinrallye beginnen!  Iris‘ Beitrag war mir wichtig, denn ich weiss, dass ihr das Thema am Herzen liegt, und sie sich schon lange intensiv damit befasst. 18 Beiträge sind es bei dieser 30. Weinrallye, darüber freue ich mich sehr. Ob des nicht einfachen Themas hatte ich mit weniger gerechnet – wenn auch nicht, wie Thomas Lippert es auf Twitter formulierte, mit der „kleinsten Weinrallye der Welt„.

Was ist nun also Naturwein? Vielfältige Begriffsdefinitionen gab es zu lesen: von der These, Naturwein gebe es gar nicht, da Wein per se ein Kulturgut sei, bis zu genauen Anforderungen. Hans-Peter Schmidt schlug vor (ebenfalls auf Twitter), den Begriff von „Naturwein“ zu „naturbelassener Wein“ zu ändern – ein nachvollziehbarer Vorschlag, wie ich finde. Als Kriterien wurden im einzelnen genannt:

  • ökologischer Anbau der Trauben, nach Möglichkeit bio-dynamisch
  • Verwendung von Rebsorten, die in die Region passen
  • Handlese
  • ganzheitliche Betriebsstruktur
  • Spontanvergärung
  • Verzicht auf die Nutzung von Behandlungsstoffen in Kellerwirtschaft und Weinbau
  • gering- oder unfiltrierte Abfüllung

Diese Punkte dürften die Zustimmung der meisten Teilnehmer finden. Umstrittener war der Einsatz von Schwefel: gar kein Schwefel im Naturwein? Oder sind geringe Mengen erlaubt? Das könnte auch abhängig von Region und Weintyp sein. Weitere Meinungen:

Thomas Lippert zitierte den Lyriker Mikel in seinem Beitrag, der fragte:

„ein Naturwein ist ein Wein in der Natur getrunken?“

Die einfachste und wohl radikalste Definition stammt von Hans-Peter Schmidt, der meint: „Naturwein ist ein Wein aus Trauben, frischer Luft, und sonst nichts.“ Was nicht heisst, dass der Winzer im Keller entbehrlich ist, um einen (trinkbaren) Naturwein zu produzieren:

„Einen Naturwein zu keltern heißt ja nicht, anything goes. Es gehört Kunst dazu. Wissen, Gefühl. In der Natur liegt das Scheitern nahe. Das ist wie im Leben.“

Dem hält Bernhard Fiedler entgegen:

„Für mich ist Wein – wie ‚puristisch‘ er auch immer gekeltert worden sein mag – kein Naturprodukt, sondern eine kulturelle Leistung.“

Naturwein oder naturbelassener Wein scheint also ein Thema zu sein, dass der Diskussion bedarf. Ich freue mich, wenn diese Weinrallye ein wenig dazu beitragen konnte. Was wohl Konsens sein dürfte: ein Naturwein ist – zumindest gegenwärtig – kein Mainstream-Wein, sondern ein spezieller Wein, der Erklärung braucht. Aber die Wahrnehmungen von Wein, die Geschmäcker und Trends können sich ändern. Wie Ecovin-Vorsitzende Lotte Müller-Pfeffer gestern im Gespräch über dieses Thema auf der Biofach sagte:

„Vor 10 Jahren wären einige Weine, die heute hochgelobt werden, als Weine mit Weinfehlern bezeichnet worden.“

Ich bin gespannt, wo die Entwicklung uns hinführt. Zur Vertiefung des Themas hier die Beiträge im einzelnen, in ungefährer chronologischer Reihenfolge:

  • Weinrallye #30 – Naturwein – vom Edekaner:
    Fritz Zickuhr fand das natürliche Vorkommen eines Battenfeld-Spanier Rieslings in seinem Weinkeller;
  • Weinrallye #30 – Naturwein von lamiacucina:
    Robert Sprenger ist der Meinung, ein verantwortungsvoller Winzer arbeite natürlich –  fand Dieter Meier und bescherte uns ein Wiedersehen mit Yello;
  • Bernhard Fiedler
    hält ein Plädoyer gegen den Naturwein, und spricht für die ordnende Hand des Winzers;
  • weinverkostungen.de
    Auch Thomas Günther leuchtet der Begriff nicht so recht ein – er verkostet einen Wein von Philipp Wittmann;
  • Mythopia Blog
    Hans-Peter Schmidt hält ein Plädoyer für naturbelassenen Wein;
  • St. Antony
    Florian Jungbauer gibt eine Begriffsdefinition als „Mittelweg zwischen modernen Arbeitsweisen, nachhaltigem Wirtschaften und hohem wissenschaftlichem Verständnis“;
  • boccafino
    Sven Ahlborn betont, dass ein Naturwein nicht einem Biowein gleich zu setzen ist und verkostet den VV 2004 von Jacqueline Bolli;
  • 2 x Baccantus – hier und hier;
    einmal die Begriffsdefinition an Hand von drei Beispielen und bei dem zweiten Link eine ausführliche theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff;
  • ein Gastbeitrag von Jennifer und Kevin Kelley aus Kalifornien hier auf Social Wine;
  • ein weiterer Gastbeitrag von Holger Schwarz aus Berlin;
  • ein Beitrag, der mich besonders freut: myexperience4u ist wieder da!
    Swetlana Kittke meint: „back to the nature“ und verkostet einen Biowein aus Chile;
  • mein eigener Beitrag,
    eine Verkostung über 7 Tage des Clos des Martyres von der Domaine de Mythopia (s.o.);
  • „Weinrallye #30: Naturwein“
    Harald Steffens schliesst sich Bernhard Fiedler an, und sagt, Wein ist eine Kulturleistung; als Beispiel verkostet er den Steillagen-Riesling eines befreundeten Hobbywinzers;
  • „Weinrallye #30 – Naturwein“ – Biowein Depot Blog
    Bernd Eck verkostet einen Regent aus der Pfalz;
  • BioFach .10 / Weinrallye Naturwein von ecowein
    Dominik Vombach suchte auf der Biofach nach einem Naturwein und verkostete dort zwei ungeschwefelte Weine;
  • Weinrallye #30 – Naturwein vom Winzerblog
    Thomas Lippert bedauert, dass die Trauben, die er verarbeitet, nicht aus ökologischem Anbau stammen – und er nur aus diesem Grund nach seiner eigenen Definition keinen Naturwein produzieren kann; er verkostet eine höchst spannend klingende 2005 Riesling TBA;
  • Weinrallye # 30: Naturwein ein Nachtrag aus französischer Sicht von Weingut Lisson – ein Winzertagebuch
    Iris Rutz-Rudel konstatiert, dass Naturwein in Frankreich schon lange ein Thema ist und führt einige Winzer auf, die für sie zu den bevorzugten Produzenten gehören.

Ich danke noch mal allen Teilnehmern für eine Weinrallye, die für mich sehr spannend war! Die nächste Weinrallye kommt aus dem Burgenland – in den nächsten Tagen wird Bernhard Fiedler Datum und Thema bekannt geben!

Die Natural Process Alliance

Weinrallye
Weinrallye

Christian Schiller vom Schiller Wine Blog schickte mir diesen Gastbeitrag zur heutigen Weinrallye #30 von den Winzern Jennifer und Kevin Kelley aus Kalifornien. Jennifer und Kevin Kelley haben die Natural Process Alliance gegründet. Ein ganz interessanter Beitrag, finde ich. Sollte mir jemand in der nächsten Zeit eine Reise nach San Francisco sponsern, werde ich das Weingut unbedingt besuchen! Ich habe den Text übersetzt, man verzeihe mir die Holprigkeiten. Wer ihn im Original lesen möchte, besucht die Website der NPA:

Die Natural Process Alliance (NPA)

Die NPA wurde von uns, Jennifer und Kevin Kelley, gegründet. Mit unserem Sohn Kian im Schlepptau schuften wir in Weinbergen im nördlichen Kalifornien und im Keller in Santa Rosa. Zusätzlich zu NPA gehört uns Salinia, und wir machen Wein für Heintz, LIOCO und Spot on Cellars.

Handarbeit

Wo immer möglich, arbeiten wir von Hand und benutzen keine Maschinen. Mit Hacken, Schaufeln und Schwielen erledigen wir unsere Arbeit.

Begrünung

Reben und Begrünung zwischen den Rebzeilen treten in eine symbiotische Beziehung. Sie zieht nützliche Insekten an, kontrolliert die Erosion, lockert den Boden auf, belüftet ihn und bringt Stickstoff hinein.

Natural Winemaking

Wir streben danach, den Charakter des Terroir und des Jahrganges durchscheinen zu lassen. Unser jährliches Ziel ist es, ein Etikett zu haben, auf das wir schreiben können:

Zutaten: Trauben

Schwefel benutzen wir nur, wenn es absolut nicht anders geht, und auch dann nur in kleinen Mengen. Niemals benutzen wir: kommerzielle Hefen oder Bakterien, Enzyme, chemische oder natürliche Zusätze, tierische Produkte, Klärmittel, Filtrierung.

Verpackung und Distribution

Wir füllen den Wein in unsere Stahlflaschen ab und liefern sie unseren Partnern; die leeren Flaschen werden zum Weingut zurück gebracht und wieder benutzt. Unsere Weine sind für die San Francisco Bay Area gemacht und alle Orte innerhalb eines Radius von 100 Meilen um das Weingut herum.

Dirk Würtz über Naturwein

Weinrallye
Weinrallye

Auch Dirk Würtz – allseits bekannter „Blogggwart“ und Wein2.0 – Macher (Blog, Twitter, 100 Grad Oechsle) – habe ich um eine Definition des Begriffs Naturwein gebeten. Dirk bringt durchaus neue Aspekte – die Bedeutung der Bio-Zertifizierung und die Nachhaltigkeit (mehr dazu in Dirks Blog) in Bezug auf die Produktion und den Menschen:

„Ganz grundsätzlich ist  für mich der Begriff ‚Naturwein‘ sehr
vielschichtig. Zunächst bedeutet er, dass der Wein im Einklang mit der Natur
hergestellt wird. Das heißt eine Produktion im Weinberg und im Keller nach
den Richtlinien des ökologischen Weinbaus. Das Ganze sollte unbedingt
zertifiziert und unter der Kontrolle eines der hierfür zuständigen Verbände
sein. Dies ist ein wesentlicher Aspekt, um den Kunden auch eine gewisse
Transparenz und Sicherheit zu bieten.

Naturwein ist für mich aber auch ein Wein, der unter dem Aspekt der
Nachhaltigkeit hergestellt und vertrieben wird. ‚Fair made‘ ist hierbei das
entscheidende Schlagwort. Diejenigen, die das Produkt oder den Rohstoff
herstellen, die Leistung erbringen, sollten dies unter menschenwürdigen
Bedingungen, mit einem ordentlichen Lohn und in einem sicheren Umfeld tun.
Alles andere ist nicht nachhaltig. ‚Fair trade‘ hat sich in den Köpfen der
Konsumenten eingeprägt, ‚fair made‘ noch nicht wirklich…“

Übrigens – falls es jemand noch nicht mitbekommen hat: Am Mittwoch, den 17. Februar ist Weinrallye. Jeder Leser ist herzlich eingeladen, eine eigene Definition des Begriffs Naturwein abzugeben, möglichst mit der Verkostung der praktischen Umsetzung eines Naturweins in der Flasche! Die Beiträge können im eigenen Blog veröffentlicht werden – dann bitte kurze Email an mich oder Kommentar hier im Blog. Wer kein Blog führt, dessen Beitrag veröffentliche ich gerne hier auf meinem Blog als Gastbeitrag. Regeln zur Weinrallye wie immer beim Winzerblog.

Steffen Christmann über Naturwein

Weinrallye
Weinrallye

Steffen Christmann beschäftigt sich nicht nur mit biodynamischem Anbau und produziert dabei ganz vorzügliche Weine, sondern ist auch Vorsitzender des VDP. Auf der Website des VDP kann man nachlesen, dass er nicht nur „das Eliteversprechen der Prädikatsweingüter im deutschen Weinbau durch zeitgemäße Qualitätsstandards  präzisieren“ will, sondern auch folgendes: „Hoch oben auf der Prioritätenliste steht bei Christmann weiter, die Mitgliedsbetriebe für Nachhaltigkeit im Weinbau und den schonenden Umgang mit der Schöpfung zu sensibilisieren.“ Es freut mich daher sehr, dass er sich die Zeit genommen hat, für die nächste Weinrallye ebenfalls seine Definition des Begriffs „Naturwein“ abzugeben:

„Für mich ist Naturwein ein natürlicher Wein, der einem Weinberg entstammt, der in völliger Harmonie mit seinem Boden, Kleinklima und der örtlichen Pflanzenwelt wächst. Ein solcher Weinberg ist nach meiner persönlichen Überzeugung zumindest ökologisch oder gar biodynamisch bewirtschaftet.
Naturwein ist für mich aber auch immer noch der aus frischen Trauben ohne Zusätze gewonnen Wein, wie dies Ludwig von Bassermann-Jordan 1907 definiert hat. Also natürlich auch der Wein, der aus bestens ausgelesenen Trauben mit seiner eigenen Hefe ohne chemisch-synthetische Schönungsmittel entsteht.“

Am Mittwoch, den 17. Februar ist jede und jeder Leser herzlich eingeladen, eine eigene Definition des Begriffs Naturwein abzugeben, möglichst mit der Verkostung der praktischen Umsetzung eines Naturweins in der Flasche! Die Beiträge können im eigenen Blog veröffentlicht werden – dann bitte kurze Email an mich oder Kommentar hier im Blog. Wer kein Blog führt, dessen Beitrag veröffentliche ich gerne hier auf meinem Blog als Gastbeitrag. Regeln zur Weinrallye wie immer beim Winzerblog.

Weinrallye #30 – Naturwein

Weinrallye
Weinrallye

Jetzt wird’s aber Zeit! Zeit, die nunmehr 30. Weinrallye auszurufen – das ist bereits die zweite Weinrallye, bei der ich den Gastgeber spielen darf. Das erste Mal, dass ich Gastgeber war, war bei der dritten Weinrallye – das ist inzwischen eine ganze Weile her…

Das Thema dieser 30. Weinrallye soll also „Naturwein“ sein. Was ist eigentlich Naturwein? Genau das gilt es herauszufinden. Wer nach dem Begriff „Naturwein“ googelt, bekommt höchst unterschiedliche Ergebnisse. Nach dem Weingesetz war die Bezeichnung Naturwein bis 1971 zulässig – für einen nicht mit Zucker angereicherten Wein; heute ist für viele Natur das gleiche wie „Öko“ – so wird  Naturwein oft einfach mit einem Biowein gleich gesetzt. Andere wieder meinen damit einen Wein, der im Keller so wenig wie möglich manipuliert wurde – oder einen Wein, dessen Trauben biodynamisch angebaut wurden.

Gerade heute morgen wurde auf Twitter ein passender Link gepostet (danke @winzerblog!) – das meinen diese Herren zum Thema Naturwein (engl.):

(via Bibendum Times)

Also: was ist Eure/Ihre Definition von Naturwein? Wie schon bei der letzten Weinrallye (Schweizer Wein) sind die entsprechenden Weine vielleicht nicht ganz einfach zu besorgen – aber einfach ist es, an der Weinrallye teilzunehmen! Jeder Teilnehmer veröffentlicht seinen Beitrag am Mittwoch, den 17. Februar auf seinem Blog. Wer kein eigenes Blog schreibt, kann mir gerne seinen Beitrag per Email senden – ich veröffentliche ihn dann als Gastbeitrag hier. Das ausführliche Regelwerk gibt es nach wie vor beim Winzerblog.

Ich freue mich auf Eure/Ihre Beiträge zum Thema Naturwein – vielleicht kommen wir ja gemeinsam zu einer neuen Definition des Begriffs. Und gespannt bin ich natürlich auch auf die besprochenen Weine!

Weinrallye #29 – Wein aus der Schweiz

Das Ithaka-Projekt - Mythopia Weingut im Wallis
Das Ithaka-Projekt: Weinberg im Wallis

Ich merke es gerade, meine Posting-Frequenz lässt zu wünschen übrig – da muss schon eine Weinrallye daher kommen, damit ich meinen ersten Blog-Artikel in diesem Jahr schreibe… Aber jetzt:

Schweizer Weine heisst das Thema, vorgegeben von lamiacucina-Robert, dessen Blog ich immer mit Vergnügen lese – und dabei hoffe, irgendwann auch einmal so viel Zeit zu haben, um so viele Gerichte mit Hingabe und Liebe zu kochen wie Robert; nur die wunderschönen Fotos – die würde ich auch mit noch so viel Zeit nicht hinkriegen: allein die Fotos machen das Lesen seines Blogs lohnenswert!

Aber zurück zum Thema: Schweizer Weine sind in Deutschland zwar schwer zu bekommen (nur 1% der Schweizer Weinproduktion werden überhaupt exportiert) – aber für mich war das natürlich eine Steilvorlage: seit Herbst letzten Jahres fahre ich regelmässig in die Schweiz, mein neuer Arbeitgeber ist Pionier, was Biowein angeht, und im Spätherbst durfte ich einige wunderschöne Tage im Wallis auf dem Delinat-Versuchsweingut verbringen.

Beste Voraussetzungen also, sollte man meinen. Tatsächlich sind aber (zumindest für den Export) im Delinat-Onlineshop nur zwei Weine aus der Schweiz erhältlich (im Schweizer Shop sind es ein paar mehr). Aber gut, da ich diese beiden noch nicht verkostet hatte, habe ich sie mir schnell kommen lassen. Gestern Abend bereits hatte ich den ersten geöffnet – und las heute nachmittag bei Roberts erstem Statusbericht von der Weinrallye: Frau Kochlöffel bestellt regelmässig bei Delinat, und hat genau die gleichen Weine für die Weinrallye vorgesehen wie ich!

2008 Solaris, Cultiva Bioweingut
Solaris Amabile 2008 - Bio-Weingut Cultiva

Aber halb so schlimm: sie hatte nur einen davon geöffnet, einen Gamay: La Devinière Gamay Satigny AOC 2008. Für diesen Wein verweise ich also einfach auf ihren Bericht, denn ich hatte gestern Abend den anderen geöffnet: 2008 Solaris Amabile, vom Cultiva Bio-Weingut. Auch wenn ich das strenge Auswahlverfahren bei Delinat mittlerweile kenne, so habe ich mir doch nicht allzu viel erwartet von diesem Wein, denn – so muss ich gestehen – ich habe ein Vorurteil gegenüber Piwi-Rebsorten (pilzwiderstandsfähige Rebsorten). Und wurde positiv überrascht: goldgelb in der Farbe, in der Nase ein ganzer Cocktail von exotischen Früchten, eine wunderbare Spannung zwischen Süße und Säure am Gaumen. Kein wahnsinnig komplexer Wein, aber einer der richtig Spass macht. So lasse ich mir die Piwis gefallen!

Ich wunderte mich dann auch nicht mehr, als ich vom Kollegen Dominik „Ecowein“ Vombach diese Geschichte erfuhr: in Kooperation mit dem FiBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau) war ein Markttest durchgeführt worden; Weine aus konventionellen und Piwi-Rebsorten waren von Delinat-Kunden blind verkostet worden. Ergebnis: der Solaris schnitt als einer der besten Weissweine ab – trifft also offensichtlich nicht nur meinen Geschmack.

Kurze Recherche zum Weingut erbrachte: Cultiva gehört zu den ersten Biowein-Erzeugern in der Schweiz, arbeitet nach Demeter-Richtlinien und verzichtet u.a. auch auf Kupfer und Schwefel! Passt also. Ich bin neugierig geworden auf das Weingut und die weiteren (Piwi-)Weine. Danke also, Robert, für das Thema dieser Weinrallye!