Klimawandel und Wein – ein Beitrag zum Blog Action Day 2009

Dieser Artikel erscheint im Rahmen des Blog Action Day 2009. Thema in diesem Jahr ist der Klimawandel. Zum Blog Action Day schreiben tausende von Bloggern aus allen Bereichen und aus der ganzen Welt an einem Stichtag Artikel zum Thema Klimawandel. Dieses Video illustriert den Sinn des Ganzen recht gut:

Für Winzer und andere Landwirte ist der Klimawandel schon länger nicht nur ein Thema, sondern Realität. Sie sind die ersten, die die Veränderungen direkt erfahren: frühere Blüte, längere Vegetationsperioden, gehäufte Unwetter und höhere Temperaturen greifen direkt in die Arbeitsabläufe ein.

Wein und der Klimawandel haben eine spezielle Beziehung, sozusagen. Während die globalen Klimaveränderungen anderswo zum Schreckgespenst taugen, gefällt manchem Winzer die Veränderung ganz gut: höhere Temperaturen, besseres Wetter bringen reifere Trauben und einen besseren Wein, lautet die Gleichung. Und dass es im Norden Deutschlands, in England, den Benelux-Ländern oder Dänemark bislang mehr oder weniger nur Hobbywinzer gibt, könnte sich in den nächsten Jahrzehnten ändern. Wie das Weinakademie-Blog berichtet, freut sich VDP-Präsident Christmann erst mal, dass die Trauben richtig reif werden – wenn auch nicht ganz ernst gemeint. Fakt ist aber, dass auch in Deutschland zunehmend mit südlicher beheimateten Rebsorten experimentiert wird, wie Merlot oder Sangiovese.

Ist der Klimawandel für den Weinbau also zu begrüssen? Nein, auf keinen Fall. Kehrseite der Medaille ist, dass die Eigenheiten der Weinregionen verloren gehen können. Cool Climate Zonen wie die Mosel werden wärmer – dadurch verändert sich die Typizität der Weine. Das Wein-Plus Glossar listet zum Thema Klimawandel einige Veränderungen auf: höherer Wasserverbrauch durch weniger Niederschläge im Sommer, vermehrter Schädlingsbefall und Krankheiten und damit sinkende Traubenqualität. Auf Grund früher Reife mehr Alkohol und weniger Säure – für den typischen Mosel-Riesling ein Riesen-Problem! Weiter werden steigende Häufigkeit von UTA (untypischer Alterungston) und geringeres Alterungspotential als negative Veränderungen genannt.

Ähnliche Probleme sieht auch der drink tank, der vor einigen Wochen über die Greenpeace-Studie „Impacts of climate change on wine in France“ berichtete. Am Beispiel Burgunds wird das Problem berühmter Anbaugebiete dargestellt: viele bedeutende Weinregionen werden „einfach von der Landkarte verschwinden , wenn der Klimawandel im derzeitigen Tempo weitergeht„, so Mario Scheuermann.

Auch Captain Cork machte den Klimawandel zum Thema, problematisierte den hohen Alkoholgehalt, und stellte richtig fest, dass 2003 das erste Jahr war, das Winzer und Verbraucher für die Folgen des Klimawandels sensibilisierte. Passiert ist seither nicht viel – ein Gipfel muss her, fordert daher Captain Cork.

Richtig: es gibt zwar immer noch Weintrinker, die einen hohen Alkoholgehalt für das entscheidende Qualitätskriterium eines Weines halten – aber eigentlich ist „low alcohol“ im Trend, wie Michael Pleitgen feststellt. Was also können wir tun?

Ich wünschte, ich hätte im Rahmen meines neuen Jobs bei Delinat schon das Weingut Mythopia besucht, wo Hans-Peter Schmidt mit einigen Mitarbeitern zu neuen Wegen im Bio-Weinbau forscht – ein Schwerpunkt dabei heisst Klimafarming. Leider musste dieser Termin im Wallis verschoben werden – sobald ich dort gewesen bin, werde ich berichten, aber so verweise ich hier erst mal auf entsprechende Artikel im Ithaka-Journal. Hier steht genau beschrieben, was man unter Klimafarming versteht – eine landwirtschaftliche Methode, durch die der Atmosphäre CO2 entzogen und als Kohlenstoff stabil im Erdboden gespeichert wird.
Update: ganz aktuell – Hans-Peter Schmidt hat nun im Ithaka-Journal ebenfalls einen Artikel zum Blog Action Day verfasst – Thema Klimafarming! Unbedingt lesen!

Und was kann ich als Einzelner, als Verbraucher tun? Weniger Auto fahren, weniger fliegen usw. ist schon klar. Aber gerade als Genussmensch sollte man sich auch überlegen, was im Bereich Ernährung sinnvoll ist:

  • weniger Fleisch essen
  • Bio-Produkte kaufen
  • regionale und saisonale Produkte kaufen
  • frische und gering verarbeitete Lebensmittel kaufen
  • energieeffiziente Haushaltsgeräte benutzen
  • zu Fuß oder mit dem Fahrrad einkaufen

Ok, bis auf den letzten Punkt, den ich als Land-Ei nur schwerlich erfüllen kann, kann ich diesen Forderungen auch mit Spass und Genuss nachkommen! Die Liste kommt übrigens von Slow Food und ist hier ausführlich kommentiert.