Content-Klau bei Tvino…

… ist vielleicht übertrieben, aber leichtfertiges Umgehen mit dem Content anderer: so kann man es wohl ausdrücken. Im Tvino Posterous Blog werden gerne mal die Beiträge anderer hergenommen: nicht nur mit einem kurzen Zitat und einem Kommentar, sondern in voller Länge, wenn auch mit Quellenangabe.

Bemerkt hatte ich diese Praxis schon vor einigen Wochen: „5 must-have iphone apps for wine lovers“ hiess der Artikel und ich wunderte mich zunächst, warum das Tvino Team jetzt englisch schreibt – aber ganz unten, unter dem Artikel, kam dann die Quellenangabe…

Nun hat dieses Vorgehen (mindestens) zwei Bloggerkollegen erzürnt: Theo Huesmann von gumia.de und Bernhard Fiedler waren auch in voller Länge gewürdigt worden, Bernhard sogar auf drei (!) verschiedenen Plattformen! Lieber Hendrik, du redest immer von Web 2.0, und dass das viel besser ist, ehrlicher; du stürzt dich mit Elan in die Web 2.0 Szene (was ich gut finde!) und bemühst dich um Transparenz: wie passiert dann so ein Faux Pas? Es ist ein offenes Geheimnis, dass du dein Blog nicht selbst schreibst – aber du musst doch dein Team im Griff haben!? Du schreibst doch deine Postings selbst!

Gestern am späten Abend gab es auf Twitter noch eine kurze Diskussion darüber – hier kann man das nachlesen. Es ist übrigens nicht so, dass Posterous zum Content-Klau zwingt, wie dort angenommen wurde: man kann zitieren, und beim Kommentieren noch mal auf den Autor verweisen – so wie ich es z.B. vor wenigen Minuten in meinem Posterous gemacht habe…

Update: Weitere Aufregung bei Vinissimus und Originalverkorkt.

Studie zu Wein im Web 2.0

Wein im Web 2.0 – das heisst Wein im sozialen Web – und das ist ja für dieses Blog hochinteressant! Erste Ergebnisse der Studie von Miriam Lemke (FH Burgenland) liegen nun vor – mir persönlich (noch) nicht, aber die ersten Blog-Posts dazu sind gerade erschienen – und ich habe hier die Artikel von Thomas Günther und Michael Pleitgen als Informationsquelle genutzt:

Die Teilnehmer der Studie sind vor allem jung, männlich, hoch gebildet, verdienen gut – und verbringen viel Zeit im Netz. Natürlich ist das Wein-Web erste Informationsquelle für die Teilnehmer zum Thema Weinkauf: das Internet wird doppelt so viel genannt wie Printerzeugnisse und Bücher. Sie informieren sich auf den Websites der Weingüter und auf Blogs, diskutieren auf Facebook, Twitter und Xing.

Über die Hälfte der Teilnehmer hat bereits im Internet Wein gekauft. Weinbeschreibungen wurden dabei als hilfreich empfunden, auch Bewertungen und Erfahrungsberichte anderer User. Aber nur wenige Teilnehmer sind bereit, auch solche Bewertungen und Berichte zu produzieren. Ist der Aufwand – gerade beim Wein – zu hoch?

Dazu kommt, dass auch den web-affinen Teilnehmern der Studie der Weinkauf via Web zu unpersönlich ist: nicht nur die Möglichkeit einen Wein zu probieren, sondern vor allem auch das persönliche Gespräch wird vermisst. Das passt zu einem weiteren Ergebnis der Studie: am liebsten kaufen die Teilnehmer direkt beim Winzer – da ist offensichtlich am ehesten das persönliche Erleben gegeben.

Was lässt sich nun aus dieser Studie schliessen? Dass Wein immer mehr über das Internet gekauft wird, verwundert nicht. Aber was letztendlich zur Kaufentscheidung beiträgt – da gibt es Nachholbedarf! Das Wein-Verkosten übers Internet geht  ja leider noch nicht (obwohl sich ja hier vor einiger Zeit schon eine Möglichkeit aufgetan hat!) – aber ein persönliches Gespräch ist in Zeiten des Social Web doch kein Problem mehr! Und damit ein Weinfreund sich selbst auch einbringen kann, schlägt Michael Pleitgen vor:

[Es könnte] interessant sein, sich als Hersteller oder Händler Gedanken zu machen, wie ich Möglichkeiten für wenig zeit- und arbeitsintensive Beteiligung der User kreiere und ihnen gleichzeitig die Angst nehme. Denn über 70% der Weinfreunde im Netz lassen sich mehr oder minder oft durch die Kommentare anderer User beeinflussen.

Die Ergebnisse der Studie sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten: im Vorfeld wurde in vielen Weinblogs und auf Twitter zur Teilnahme an der Studie aufgerufen. Und so rekrutiert sich sicher ein grosser Teil der Teilnehmer aus einer recht aktiven Wein 2.0 Szene – daher sind die Ergebnisse sicher nicht repräsentativ – auch wenn, wie Michael Pleitgen meint, die „Intensiv-Web-Nutzer auch in ihrem Umfeld zu Meinungsführen gehören“.

Weitere Infos und Zahlen der Studie:
Weinakademie Berlin
Weinverkostungen.de