Feb 17

Nun also noch mein eigener Beitrag zu dieser Weinrallye. Was ist Naturwein? Später, in der Zusammenfassung dieser Weinrallye werde ich mich an einer Synthese der bisher gehörten Definitionen versuchen – und meine Interpretation davon.

Domaine de Mythopia
Domaine de Mythopia

Domaine de Mythopia

Zunächst also zum Wein. Einige werden es bereits vermutet haben: mein Wein kommt aus dem Schweizer Wallis, von der Domaine de Mythopia. Das ist das Versuchs-Weingut des Delinat-Instituts; Hans-Peter Schmidt wirkt dort, in Steilhängen in etwa 800m Höhe, nicht weit von Sion. Die Weinberge sind sehenswert – eben voller Natur! Denn ein Hauptanliegen der Forschung des Instituts ist die Biodiversität im Weinberg. Da fliegen Bienen und Schmetterlinge, wachsen Tomaten und Erdbeeren, blühen Obstbäume und Blumen. Wer mehr darüber wissen will: im Oktober letzten Jahres war ich selbst dort – und regelmässig berichtet das Ithaka-Journal über die Aktivitäten dort.

Clos des Martyres 2007

Zurück zum Wein: ein Pinot Noir, Clos des Martyres 2007. Pinot Noir ist der meist angebaute Rotwein der Schweiz und wohl auch des Wallis. Aber es gibt wohl nur wenige wie diesen. Zutaten in diesem Wein waren nur Trauben und Luft – und vielleicht noch einige Hefen, Bakterien und andere kleine Helferlein, die in der Luft und auf der Traubenhaut herumschwirrten.

Pinot Noir Clos des Martyres 2007

Pinot Noir Clos des Martyres 2007

Das Protokoll der Herstellung, mit den Worten des Winzers: “Lese: 21.10.2007. Das Lesegut wurde an Hanglange in der Herbstsonne aufgewärmt. Am Nachmittag entrappt und eingemaischt. 40 Tage Maischegärung. Sanft abgepresst, 2 Tage
absetzen lassen, dann in 4jähriges Eichenholzfass (400l). Gelegentliches Batonieren. 22-Monate Ausbau. Natürliche Kaltstabilisierung. Abfüllung durch Gravitation. So einfach ist das.

Degustation am ersten Tag

Auf dem Etikett steht “Pinot noir naturel”; oft ist bei solchen Weinen nirgends etwas von “bio” oder “Naturwein” zu lesen, nur “non filtré”, nicht filtriert. Eingeweihte wissen dann, dass bei diesem Wein nichts vertuscht wurde. Eine Stunde vor dem ersten Verkosten, vor nun einer Woche, öffnete ich die Flasche. Meine Notizen: “Aromen von roten und schwarzen Beeren (Brombeeren!), schwarze Kirschen, intensiv aber nicht aufdringlich; am Gaumen samtig, feinkörniges Tannin, gute Säure, Beeren, elegant, leicht – sehr gute Länge“. Die nur 12 vol% Alkohol machen den Wein elegant und unbeschwert.

Zweiter und dritter Tag

Auf Rat von Hans-Peter Schmidt nahmen wir am ersten Tag nur einen kleinen Schluck aus der Flasche, um die Entwicklung des Weines über mehrere Tage zu verfolgen; die Notizen des zweiten Tages: “Aromen: komplexer, etwas erdiger, Leder(?), intensiver am Gaumen, aber nach wie vor schlanker Körper; schöne Länge“. Der dritte Tag brachte dann folgendes: “mehr schwarze Kirschen, kräftiger, noch intensiver; dunkle Schokolade, fülliger; Leder am Gaumen intensiver, Frucht am Gaumen weniger; kräftiger, mehr Körper“.

Höhepunkt?

Entscheidend bei Naturweinen ist, dass sie unter Sauerstoffeinfluss weiterleben” sagt Hans-Peter Schmidt – auf dem Höhepunkt seien sie erst nach 7 Tagen. An den folgenden Tagen konnte ich dann wegen Abwesenheit nicht weiter verkosten. Am siebten Tag war ich wieder zu Hause, und sehr gespannt. Die Flasche war noch mehr als halbvoll, und wir hatten Freunde eingeladen, darunter ein vinophiler Südfranzose, der bevorzugt eben solche Naturweine trinkt. Und der Wein hatte sich weiter verändert: “besser (auch wenn das keine spezifische Aussage ist), Frucht nicht mehr so intensiv, etwas Brombeere ist noch da; öffnet sich am Gaumen, explodiert fast; zart-bittere Schokolade, deutlich Leder, komplexer, gewichtiger, reifer, rote Früchte ganz hinten im Abgang“.

Auf dem Höhepunkt? Ja, schon. Aber am ersten Tag war der Clos des Martyres auch schon sehr gut, frischer eben. Ich könnte mich nicht entscheiden, wenn ich bestimmen müsste, was nun der beste Zeitpunkt ist, diesen Wein zu trinken. Eins aber weiss ich genau: wenn ich das nächste Mal im Wallis bin, nehme ich mir einige Flaschen des knappen Weins mit – und wäre gespannt, wie sich der Wein in drei, fünf oder zehn Jahren macht. Und ich werde weiterhin solche Naturweine suchen – die nächsten hoffentlich vom Weingut Lisson, dessen Weine ich ja immer noch nicht verkosten konnte…

  • Share/Bookmark
Tagged with:
Okt 26

Bei manchen Dingen reicht es nicht, darüber zu lesen, man muss sie erfahren. So geht es mir mit dem Ithaka-Projekt des Delinat-Institutes. Dort wird zu Klimafarming und Biodiversität im Weinberg geforscht. Mein Besuch im Weingut Mythopia war im September verschoben worden, jetzt fand er endlich statt.

Hans-Peter Schmidt, Leiter des Ithaka-Projektes und Winzer im Mythopia-Weingut empfing mich, und nach einem kurzen Kaffee ging es gleich in die Weinberge – bei wunderbarem Herbstwetter! Die Lese war zwar gerade abgeschlossen worden, und auf Grund der fortgeschrittenen Jahreszeit blühte es nicht mehr an allen Ecken und Enden, wie ich es auf den Fotos im Ithaka-Journal gesehen hatte. Trotzdem war das, was ich dort sehen konnte, sehr beeindruckend.

Das Ithaka-Projekt - Mythopia-WeinbergeDas Ithaka-Projekt

Ich bin kein Naturwissenschaftler, werde daher Hans-Peters Ausführungen zu Leguminosen, Boden, Stickstoff- und Phosphorgehalt nicht wiedergeben – das kann man besser hier nachlesen. Aber wieviel lebendiger ein Weinberg ist, in dem ausser den Reben alles mögliche wächst: von niedrigen Gewächsen wie Leguminosen, Aromakräutern und Erdbeeren über Sträucher aller Art bis hin zu Obstbäumen (vertikale Diversität); in dem Blumen blühen, Wildbienen-Hotels aufgestellt sind und Bienenstöcke stehen (das interessierte mich als Hobby-Imker natürlich besonders); in dem es summt und brummt, und in dem selbst um diese Jahreszeit auch noch mal ein Schmetterling zu sehen ist: das muss man gesehen haben! Festgehalten sind diese Massnahmen in der Charta für Weinberge in Biodiversität.

Das Ithaka-Projekt - blühender Weinberg - selbst im Oktober!Das Ithaka-Projekt

Beeindruckend auch der direkte Vergleich zwischen benachbarten konventionellen Parzellen und den Mythopia-Parzellen; auch der Vergleich zwischen ungeplant begrünten Rebzeilen und solchen, in denen die im Ithaka-Projekt speziell entwickelte Saatmischung ausgebracht wurde. Die Versuchsreihen mit Biokohle könnten sich als revolutionär erweisen – nicht nur für das Wachstum der Reben, sondern auch und vor allem wegen der Bedeutung dieser Versuche für eines der grössten Probleme unseres Planeten – den Klimawandel.

Dass das alles Einfluss auf die Qualität der Trauben und des erzeugten Weines hat: das lässt sich nicht nur leicht vorstellen, sondern es ist mit Genuss zu erschmecken – und offensichtlich auch wissenschaftlich nachzuweisen!

Das Ithaka-Projekt Das Ithaka-Projekt

Ein Thema meines Besuchs war auch, wie sich die Ergebnisse aus dem Ithaka-Projekt verbreiten lassen – mit den Mitteln des Social Web. Denn das Projekt ist zwar von Delinat gegründet und zu einem Teil auch finanziert; die Ergebnisse des Projektes sollen aber frei zugänglich gemacht und verbreitet werden, so dass  möglichst viele Weingüter (ob bio oder nicht) davon profitieren können – und eine Bewegung für eine zweite Bio-Revolution entsteht, die durch das Klimafarming sogar Wege aufzeigen kann, den Klimawandel zu bekämpfen. Mehr dazu hier in meinem Artikel im GlobalFutureBlog.

Ein grobes Konzept für eine Social Media Strategie haben wir erstellt; dieses gilt es nun zu verfeinern – und vor allem umzusetzen. Anregungen hierzu sind herzlich willkommen!

  • Share/Bookmark
Tagged with:
preload preload preload