Morgen ist Weinrallye! Was ist Naturwein?

Weinrallye
Weinrallye

Noch mal eine letzte Erinnerung: morgen ist Weinrallye! Die Frage war: was ist ein Naturwein – wie können wir diesen Begriff definieren?

Ich sehe schon, dass es manchen schwer fällt, einen Wein, den sie als Naturwein begreifen, überhaupt zu besorgen. Das zeigt doch, dass Bedarf besteht, diese Weine etwas mehr ins Licht zu rücken. Aber: wenn jemand nun wirklich keinen Wein bekommen konnte für die Weinrallye: dann freue ich mich auch über eine Teilnahme mit einer blossen Begriffsdefinition!

Gibt es überhaupt Naturwein?

Vor ein paar Wochen habe ich mit Lotte Müller-Pfeffer, Ecovin-Vorsitzende und Winzerin (Weingut Brüder Dr. Becker), über das Thema gesprochen; ihre verblüfffende Ansicht: es gibt gar keinen Naturwein! Wein ist ein Kulturgut, und als solches von Menschen geschaffen. Sagt sie. Ich bin wirklich erstaunt, wie viele Facetten des Begriffs bereits zusammen gekommen sind – bekommen wir morgen noch mehr davon?

Naturwein im Social Web

Vor allem in Frankreich ist Naturwein ein Thema; z.B.  hier und hier bei Facebook, und es gibt auch die Association des Vins Naturels (danke Iris!). Auf Twitter reden @herrenhof, @IthakaJ und @mythopia über Naturwein.  Weiss jemand weitere Links?

Manifest der Winzer Europas

Vom 5. bis 7. Dezember waren auf Einladung von Slow Food in Florenz über 500 Winzer aus ganz Europa zusammen gekommen, um über ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit des Weinbaus, sowie die Qualität der europäischen Weinproduktion zu diskutieren. Dieses Treffen, genannt „Vignerons d’Europe“, sollte der Vernetzung der Winzer dienen, die sich gemeinsam für einen nachhaltigeren Weinbau einsetzen wollen. Eine Gelegenheit zum Austausch von Ansichten und praktischen Erfahrungen zur Verbesserung des europäischen Qualitätsweinbaus. Auch den Konsumenten sollten die Problematiken des heutigen Weinbaus aufgezeigt werden – und die Wege zu Alternativen.

Nach vielen Diskussionen wurde ein Manifest erarbeitet, das es in sich hat: es nimmt nicht nur den Winzer in die Verantwortung, sondern fordert auch von der EU-Bürokratie Regelungen, die nicht nur der Industrie dienen. Es setzt sich ein nicht nur für lebendigen und authentischen Wein, sondern auch für Biodiversität im Weinberg. Grundlage dafür könnte die „Charta für Biodiversität“ werden, die im Delinat-Institut erarbeitet wurde und in Florenz von den Winzern offensichtlich mit Begeisterung aufgenommen wurde. Spannend – denn diese wird zur Grundlage der neuen Delinat-Biorichtlinien werden…

Und fast noch spannender: im Manifest wird nicht nur der Winzer in die Pflicht genommen, sondern auch der Verbraucher: „Der Winzer sieht den Verbraucher als seinen Koproduzenten.“ Das bedeutet, der Verbraucher steht dem Winzer zur Seite, nicht nur im Konsumieren des Weines, sondern auch im Entstehungsprozess, mit Feedback, mit Anregungen, auch als Kontrolleur, ob ein Wein tatsächlich so entsteht, wie der Produzent das vorgibt. Der Verbraucher also als Partner des Produzenten – denn auch der Verbraucher ist dafür verantwortlich, wie Weine produziert und verkauft werden!

Und wie kann dieser Austausch, diese Kommunikation realisiert werden? Klar, hier bietet das so genannte Social Web alle Möglichkeiten… Ist das machbar? Oder ist das nur eine Utopie? Hier würde ich die Meinung von mit lesenden Weinmachern und Weinliebhabern sehr interessieren!

Winzertreffen im Palazzo Vecchio in Florenz
Vorstellung des Manifests im Palazzo Vecchio in Florenz - Foto aus dem Ithaka-Journal

Hier das Manifest im Wortlaut:

Manifesto dei “Vignerons d’Europe 2009”

Die Arbeiten im Weinberg, im Keller und im Verkauf liegen in der Hand des Winzers.

Der Winzer produziert lebendige, genussvolle Weine. Sie sind die Frucht seines Terroirs, seinere Leidenschaft und des authentischen Ausdrucks einer Tradition.

Der Winzer sieht den Verbraucher als seinen Koproduzenten.

Der Winzer bewahrt und gestaltet die Landschaft, indem er die Biodiversität bereichert und die Kulturgeschichte seines Weinbergs respektiert und fortschreibt.

Der Winzer übernimmt die Verantwortung für die Erhaltung und Förderung der Bodenfruchtbarkeit sowie für die Harmonie des Ökosystems Weinberg.

Der Winzer setzt sich zum Schutz der Lebewesen für den Verzicht auf Kunstdünger, synthetische Pflanzenschutzmittel und gentechnisch veränderte Organismen ein.

Der Winzer geht bewusst mit seinen Grenzen um und sucht in all seinem Tun das Optimum, nicht das Maximum.

Der Winzer übernimmt die Verantwortung für sein Tun. Er handelt aus Respekt vor der Umwelt und vor der Gesundheit des Konsumenten sowie der Bewohner seiner Region und der Erde überhaupt.

Der Winzer bemüht sich um den Aufbau von lokalen und weltweiten Netzwerken mit anderen Winzern, Landwirten, Lebensmittelproduzenten, Köchen, Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie Lehrern und der Bevölkerung.

Der Winzer arbeitet transparent: er sagt, was er tut und er tut, was er sagt.

Die in Florenz versammelten Vignerons d’Europe fordern die nationalen und europäischen Behörden auf, nicht durch bürokratische Hürden und eher für die Industrie geeignete Regelungen die Arbeit und die Besonderheit der europäischen Winzer zu behindern.

Weitere Artikel dazu gibt es hier:

Vignerons d’Europe
Winzermanifest vom Weindeuter
Manifest – Ziele und Absichten europäischer Winzer von Willis Wein Idee
Florenz Connection: Annahme eines „Manifest der Winzer Europa“ bei Yoopress
Manifest der Winzer Europas im Ithaka Journal
Europe’s small winemakers unite to save their industry bei DW-World

Studie zu Wein im Web 2.0

Wein im Web 2.0 – das heisst Wein im sozialen Web – und das ist ja für dieses Blog hochinteressant! Erste Ergebnisse der Studie von Miriam Lemke (FH Burgenland) liegen nun vor – mir persönlich (noch) nicht, aber die ersten Blog-Posts dazu sind gerade erschienen – und ich habe hier die Artikel von Thomas Günther und Michael Pleitgen als Informationsquelle genutzt:

Die Teilnehmer der Studie sind vor allem jung, männlich, hoch gebildet, verdienen gut – und verbringen viel Zeit im Netz. Natürlich ist das Wein-Web erste Informationsquelle für die Teilnehmer zum Thema Weinkauf: das Internet wird doppelt so viel genannt wie Printerzeugnisse und Bücher. Sie informieren sich auf den Websites der Weingüter und auf Blogs, diskutieren auf Facebook, Twitter und Xing.

Über die Hälfte der Teilnehmer hat bereits im Internet Wein gekauft. Weinbeschreibungen wurden dabei als hilfreich empfunden, auch Bewertungen und Erfahrungsberichte anderer User. Aber nur wenige Teilnehmer sind bereit, auch solche Bewertungen und Berichte zu produzieren. Ist der Aufwand – gerade beim Wein – zu hoch?

Dazu kommt, dass auch den web-affinen Teilnehmern der Studie der Weinkauf via Web zu unpersönlich ist: nicht nur die Möglichkeit einen Wein zu probieren, sondern vor allem auch das persönliche Gespräch wird vermisst. Das passt zu einem weiteren Ergebnis der Studie: am liebsten kaufen die Teilnehmer direkt beim Winzer – da ist offensichtlich am ehesten das persönliche Erleben gegeben.

Was lässt sich nun aus dieser Studie schliessen? Dass Wein immer mehr über das Internet gekauft wird, verwundert nicht. Aber was letztendlich zur Kaufentscheidung beiträgt – da gibt es Nachholbedarf! Das Wein-Verkosten übers Internet geht  ja leider noch nicht (obwohl sich ja hier vor einiger Zeit schon eine Möglichkeit aufgetan hat!) – aber ein persönliches Gespräch ist in Zeiten des Social Web doch kein Problem mehr! Und damit ein Weinfreund sich selbst auch einbringen kann, schlägt Michael Pleitgen vor:

[Es könnte] interessant sein, sich als Hersteller oder Händler Gedanken zu machen, wie ich Möglichkeiten für wenig zeit- und arbeitsintensive Beteiligung der User kreiere und ihnen gleichzeitig die Angst nehme. Denn über 70% der Weinfreunde im Netz lassen sich mehr oder minder oft durch die Kommentare anderer User beeinflussen.

Die Ergebnisse der Studie sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten: im Vorfeld wurde in vielen Weinblogs und auf Twitter zur Teilnahme an der Studie aufgerufen. Und so rekrutiert sich sicher ein grosser Teil der Teilnehmer aus einer recht aktiven Wein 2.0 Szene – daher sind die Ergebnisse sicher nicht repräsentativ – auch wenn, wie Michael Pleitgen meint, die „Intensiv-Web-Nutzer auch in ihrem Umfeld zu Meinungsführen gehören“.

Weitere Infos und Zahlen der Studie:
Weinakademie Berlin
Weinverkostungen.de