Convention Camp 2009

Convention Camp Hannover 2009Gespannt war ich auf das Convention Camp, das am 26.11. in Hannover stattfand. Eine Kreuzung aus BarCamp und „normaler“ Konferenz, mit Keynotes und freie Session, knapp 1000 Teilnehmer, und das im Convention Center der Hannover Messe.

Was schon kurz nach der Ankunft auffiel: kein Sonntagmorgen-Kaffee, keine Walthers-Säfte, kein Tee von Pure Tea. Also definitiv kein BarCamp. Die Opening Session begann dann auch mit etwas langatmigen Grussworten, und die Anrede schwankte zwischen dem „Sie“ und dem auf BarCamps üblichen „Du“. Auch die Zahl der angebotenen Sessions hielt sich im Rahmen.

Convention Camp Hannover
Convention Camp Hannover

Sehr spontan allerdings kam ich dazu, selbst eine Session mit  anzubieten: Katrin Kiefer twitterte während der Opening Session, sie wolle mit Sebastian eine Session zum Thema „Non Profit Organisationen und Social Media“ anbieten. Ich bekundete – ebenfalls via Twitter – Interesse. Und wurde flugs dazu „verpflichtet“, diese mit zu halten. Ging dann auch gleich los – und es wurde tatsächlich ganz interessant: nach der Vorstellung von Katrins Masterarbeit zum Thema kam eine lebhafte Diskussion in Gang, da einige Vertreter von Non Profit Organisationen anwesend waren. Das Fazit am Ende: trotz teilweise verkrusteter Strukturen besteht gerade für Non Profit Organisationen eine  Chance in der Nutzung von Social Media, da diese ideelle Werte vermitteln, und in der Lage sein sollten, die Prinzipien Transparenz und Kommunikation in besonderer Weise zu nuten.

In der Folge erwies sich wieder einmal, dass es schwer ist, unter vier parallel laufenden, attraktiven Sessions eine auszuwählen. Vorträge und Diskussionen zur „Zukunft der Werbung im Internet“ und zu „Creative Analytics“ folgten, unterbrochen vom hervorragenden Mittagessen. „Creative Analytics“ machte den Konflikt zwischen den kreativen Designern und Anforderungen der Web Analytics zum Thema: erhält der Button die künstlerisch wertvolle Farbe oder die, die nach den Auswertungen am meisten geklickt wird? Ein spannendes Thema, leider verzettelte sich die Diskussion am Ende etwas.

Convention Camp Hannover 2009
Convention Camp Hannover 2009

Danach kam die Keynote von Jochen Krisch (Exciting Commerce Blog), der einen Ausblick auf den E-Commerce 2020 gab und die neuen Geschäftsmodelle im Onlineshopping in Visual, Social und Live Shopping unterteilte. Als Musterbeispiel nannte er zappos.com, wo Social Media tatsächlich Teil der Unternehmenskultur ist; anschliessend stellte er die Onlineshop Software Magento als zukunftsweisend vor. Wer sein Blog liest, kannte die Inhalte bereits. Trotzdem interessant, ihn einmal „live“ zu sehen.

Highlight war für mich am Ende die Keynote von Dirk Rockendorf, der die Chancen und Risiken beim Einsatz von Social Media beim Reifenhersteller Continental beleuchtete. Er schilderte die Herausforderungen, denen man sich dabei in einem traditionellen Unternehmen gegenüber sieht: von der Einwegkommunikation umzuschalten zum Dialog; zu begreifen, dass dieser Dialog nicht (nur) als Werbung gesehen werden kann, sondern vielmehr Chancen als Feedback-Kanal eröffnet, bei Markenbildung und -bindung unterstützt, auch Bekanntheit und Kundenzufriedenheit steigern kann. Dass der Kontrollverlust, den viele Entscheider befürchten, schon lange da ist: denn der Dialog mit dem Kunden ist nicht mehr wie früher in  Emails versteckt, sondern wird öffentlich in sozialen Netzwerken geführt. Ein weiteres Problem: die Zeitspanne Maßnahme-Wirkung ist lang im Vergleich zu anderen Online-Marketing Massnahmen.

Nachdem Continental bis 2008 eine mit der „ContiFanWorld“ eine eigene Community betrieben hatte, ist die neue „ContiSoccerWorld“ nur noch eine Microsite, die als Hub dient, und an die die verschiedenen Social Media Plattformen andocken. Eine eigene Community zu betreiben, sei nicht mehr zeitgemäss, sagte Dirk Rockendorf.

Interessant fand ich, dass Continental sich zwar mit erheblichem Aufwand engagiert, aber ein Konzept, eine Social Media Strategie genau wie Messung und Bewertung der Social Media Aktivitäten noch nicht ausformuliert sind. Auch die Tonalität der Kommunikation in Social Media ist noch nicht festgelegt und die Social Media Policy für Mitarbeiter wird noch entwickelt.

Dirk Rockendorf sagte, noch sei er im Kindergartenstadium, was das Engagement in Social Media angehe – erst in der Schule gebe es Noten dafür…

An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an die Organisatoren des Convention Camp; es war eine gelungene Veranstaltung!

Einige weitere Berichte zum Camp habe ich bereits gelesen; bei fast 1000 Teilnehmern wurde ja doch einiges geschrieben – hier eine Auswahl:

ConventionCamp 2009 Hannover – Nachbericht vonC-Visual PhotoArt
cch09: Camp bar Konventionen – Dirk Kirchberg im Blog der HAZ mit sehenswerten Video-Interviews
Fazit zum Convention Camp 2009 von Bastian Haug
Convention Camp 09: Mit Augenmaß ins Mitmachnetz bei heise
Die Mitmach-Konferenz zum Anhören im Kulissenblog
Convention Camp Hannover beim Powerflasher
Convention Camp 2009 bei FloBox
Social Media Nutzung in Non Profit Organisationen und cch09 im seblog
ConventionCamp Hannover im Francis Varga Flex/AIR/Flash Blog
ConventionCamp in Hannover: Eine Abrechnung von FrischGezwitschert
Reviews zum ConventionCamp 2009 von Dirk Rockendorf, der auch einen eigenen Bericht ankündigt

Aktuelle Situation der Blogger und Foren-Betreiber

Das ist der Titel einer Studie der Fachhochschule Köln, die mit einigen interessanten Erkenntnissen aufwarten kann.

76,8% der 347 Befragten betreiben ein Blog, die restlichen 24,2% ein Forum. Davon geben nur 8% an, ihr Blog bzw. Forum hauptberuflich zu betreiben, ein knappes Viertel erzielt nebenberufliche Einnahmen, der Rest ist rein privat. Über 80% der Befragten, also die überwältigende Mehrheit, sind  männlich; die Altersverteilung ist bis 40 Jahre relativ ausgeglichen, danach wird’s etwas spärlicher.

Über 80% der Blogger schreiben ihre Texte selbst, nur eine  Minderheit von unter 10% greift gelegentlich oder häufig auf Pressetexte zurück; allerdings werden diese häufiger aufgegriffen und kommentiert. Über 50% der Blogger verwenden aber überhaupt keine Pressetexte. Auch bezahlte Beiträge sind in deutschen Blogs offensichtlich kein grosses Thema: über 90% nehmen keine Vergütung für Artikel an; wenn es Monetarisierungsmodelle gibt, sind das eher Werbeanzeigen. Allerdings kommen über 50% der Blogger bzw. Foren ganz ohne Werbung aus. Oft werden Blogs aber dazu genutzt, auf eigene Produkte oder Dienstleistungen aufmerksam zu machen.

In einer früheren Studie der FH Köln war festgestellt worden, dass die Blogger Unternehmen gegenüber sehr offen sind; oft berichten sie über deren Produkte und Dienstleistungen und begrüssen es, wenn das Unternehmen selbst dazu Stellung nimmt: „Das Ergebnis ist ein klares Zeichen dafür, dass die Foren- und Blogbetreiber sich auch eine Diskussion mit den Unternehmen wünschen.

Die Blogger und Forenbetreiber wünschen sich zusätzlich die Versorgung mit Presseinformationen durch die Unternehmen, so dass die Studie in diesem Zusammenhang folgendes Fazit zieht:

„Unternehmensrelevante Informationen helfen dem Unternehmen dabei, die Verbreitung von Falschinformationen zu verringern. Das Ergebnis zeigt, dass Blogger und Forenbetreiber an Unternehmensinformationen interessiert sind. Allerdings gestaltet sich die Umsetzung für Unternehmen nicht einfach. Hierbei muss der Aufbau von Kommunikationsbeziehungen unter Berücksichtigung der Web 2.0- und Netzkultur statt finden, da Blogger und Forenbetreiber nicht nach klassischen Schemata Informationen aufnehmen und verbreiten. Eine Versorgung mit klassischen Presseinformationen für Blogger und Forenbetreiber kann beispielsweise als eine weitere Belastung, Werbung oder Spam gewertet werden, da die Betreiber ohnehin einer täglichen Informationsflut gegenüberstehen.“

Weitere Komentare zur Studie bei weinverkostungen.de, die frühere Studie selbst gibt es hier. Leider gibt keinen Link auf die aktuelle Studie – mir wurde sie per Email zugeschickt.

Die vorher gehende Studie war übrigens in der einem Artikel in der taz grob verfälscht worden, so die Autoren im Vorwort. Daher ist sie nun frei im Internet zu finden…

Social Media Lehrstück – das #Tweetpaket

Urplötzlich tauchte es auf in meiner Twitter-Timeline – das Tweetpaket. Und gäbe es ein Social Media Lehrbuch, müsste es eigentlich drin stehen: des Nachts von ein paar hellen Köpfen ersonnen, wurde die Idee von Max Wittrock von mymuesli schnell umgesetzt – ein Verlosungspaket, das von einigen twitternden Unternehmen gesponsort werden sollte:

„Wir wollten eigentlich nur was verlosen, denn (treue Leser dieses Blogs wissen das) Verlosungen sind bei uns einigermaßen beliebt. Und kurz drauf: Nachricht von Kai via Twitter: Er würde sich anschließen; und binnen weniger Minuten hatten wir ein ganzes Set zusammen, dem Oslo den schönen Namen Tweetpaket gegeben hat, gleichzeitig auch Hashtag für diese Aktion.“

Zu dem Zeitpunkt als ich auf Twitter davon las, waren immerhin schon fast 10 Gewinne zusammen gekommen: Müsli, Tee, Wunschlikör bzw. Kinderpunsch sowie einige andere. Kurz im Büro beraten, und ein kleines Delinat-Paket mit spanischen Weinen und Flamenco-CD war auch dabei. So weit so gut.

Und dann ging es los: binnen weniger Stunden kam eine irrwitzig lange Liste von 45 Preisen zusammen, darunter ausser einer Weinkaraffe, Müslischalen und Teetassen  so unglaubliche Dinge wie ein iPod Shuffle, ein Headset und gar eine Übernachtung im 4-Sterne-Hotel auf Helgoland (die Überfahrt war allerdings nicht dabei…).

Die ganze Kommunikation fand auf Twitter statt; waren zunächst die Sponsoren quasi unter sich, schlug das Ganze natürlich Wellen, und es wurde immer wieder gefragt, was es denn wohl mit diesem Tweet-Paket auf sich habe. Nun, bis 15 Uhr gestern wurden die Gewinne gesammelt, aber wie die Verlosung nun vor sich gehen sollte, stand bis dahin aber noch gar nicht fest! Durch Diskussion auf Twitter und im mymuesli-Blog ergab sich dann aber: ab 16 bis 22 Uhr mussten dann die Bewerber für dieses Paket folgendes twittern.

Ich will diese Liste hier gewinnen: http://tinyurl.com/yjpyqn5 #tweetpaketverlosung #tweetpaket

Die Entwicklung lässt sich auf dem mymuesli Blog verfolgen. Die Ziehung des Hauptgewinners erfolgte dann am nächsten Tag und ist hier dokumentiert:

Link: mymuesli-TV: #tweetpaket - Auslosung Gewinner

Auf diesem Weg noch einmal herzlichen Glückwunsch an den Gewinner @slintes! Eine witzige Aktion, die einmal mehr bezeugt, wie schnell sich über Blogs, Twitter & Co Aktionen oder Inhalte verbreiten können – wenn sie denn eben interessant genug sind – und die Initiatoren nicht nur wirklich kommunizieren, sondern auch auf Gesagtes eingehen!

Weitere Blog-Artikel dazu von:
123 Skins
egoo.de
mymelade
Likörfactory
Wunschlikör

Studie zu Wein im Web 2.0

Wein im Web 2.0 – das heisst Wein im sozialen Web – und das ist ja für dieses Blog hochinteressant! Erste Ergebnisse der Studie von Miriam Lemke (FH Burgenland) liegen nun vor – mir persönlich (noch) nicht, aber die ersten Blog-Posts dazu sind gerade erschienen – und ich habe hier die Artikel von Thomas Günther und Michael Pleitgen als Informationsquelle genutzt:

Die Teilnehmer der Studie sind vor allem jung, männlich, hoch gebildet, verdienen gut – und verbringen viel Zeit im Netz. Natürlich ist das Wein-Web erste Informationsquelle für die Teilnehmer zum Thema Weinkauf: das Internet wird doppelt so viel genannt wie Printerzeugnisse und Bücher. Sie informieren sich auf den Websites der Weingüter und auf Blogs, diskutieren auf Facebook, Twitter und Xing.

Über die Hälfte der Teilnehmer hat bereits im Internet Wein gekauft. Weinbeschreibungen wurden dabei als hilfreich empfunden, auch Bewertungen und Erfahrungsberichte anderer User. Aber nur wenige Teilnehmer sind bereit, auch solche Bewertungen und Berichte zu produzieren. Ist der Aufwand – gerade beim Wein – zu hoch?

Dazu kommt, dass auch den web-affinen Teilnehmern der Studie der Weinkauf via Web zu unpersönlich ist: nicht nur die Möglichkeit einen Wein zu probieren, sondern vor allem auch das persönliche Gespräch wird vermisst. Das passt zu einem weiteren Ergebnis der Studie: am liebsten kaufen die Teilnehmer direkt beim Winzer – da ist offensichtlich am ehesten das persönliche Erleben gegeben.

Was lässt sich nun aus dieser Studie schliessen? Dass Wein immer mehr über das Internet gekauft wird, verwundert nicht. Aber was letztendlich zur Kaufentscheidung beiträgt – da gibt es Nachholbedarf! Das Wein-Verkosten übers Internet geht  ja leider noch nicht (obwohl sich ja hier vor einiger Zeit schon eine Möglichkeit aufgetan hat!) – aber ein persönliches Gespräch ist in Zeiten des Social Web doch kein Problem mehr! Und damit ein Weinfreund sich selbst auch einbringen kann, schlägt Michael Pleitgen vor:

[Es könnte] interessant sein, sich als Hersteller oder Händler Gedanken zu machen, wie ich Möglichkeiten für wenig zeit- und arbeitsintensive Beteiligung der User kreiere und ihnen gleichzeitig die Angst nehme. Denn über 70% der Weinfreunde im Netz lassen sich mehr oder minder oft durch die Kommentare anderer User beeinflussen.

Die Ergebnisse der Studie sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten: im Vorfeld wurde in vielen Weinblogs und auf Twitter zur Teilnahme an der Studie aufgerufen. Und so rekrutiert sich sicher ein grosser Teil der Teilnehmer aus einer recht aktiven Wein 2.0 Szene – daher sind die Ergebnisse sicher nicht repräsentativ – auch wenn, wie Michael Pleitgen meint, die „Intensiv-Web-Nutzer auch in ihrem Umfeld zu Meinungsführen gehören“.

Weitere Infos und Zahlen der Studie:
Weinakademie Berlin
Weinverkostungen.de

Vielen Dank…

… für all die Glück- und sonstigen guten Wünsche! Meinen Wechsel von Viva-Vino zu Delinat und damit vom alten zum neuen Blog hatte ich per Twitter und Blog-Artikel bekannt gegeben. Eure Reaktionen dazu kamen über Blog-Kommentare, Twitter @-Replies und -DMs, über Facebook und Xing! Very social und very webzweinullig 🙂 Einige meldeten sich aber auch „ganz normal“ per Email und sogar – ganz altmodisch – per Telefon.

Danke dafür – ich habe mich drüber gefreut! Inzwischen habe ich meine erste Woche in St. Gallen hinter mir – mit viel Neuem, einigen begonnenen kleinen Projekten und vielen Diskussionen und Ideen – so kann es weiter gehen!

Wein und Social Media

Social Wine – was soll das denn heissen? Ein neues Blog – warum?

Das hat mit meinen beruflichen Veränderungen zu tun. Drei Jahre lang habe ich mich als Viva-Vino mit (Bio-)Wein beschäftigt, und zum Thema Biowein gebloggt. Mein Corporate Blog war gleichzeitig mein privates Blog. Und nun?

Bin ich zu Delinat gewechselt. Blicke zwar mit etwas Abschiedsschmerz zurück auf Viva-Vino, aber zum einen konnte ich Viva-Vino in gute Hände übergeben; zum anderen freue ich mich sehr auf meine neue Tätigkeit. Da ich mich bei Delinat mit Online-Marketing beschäftigen werde, gehe ich davon aus, dass es früher oder später auch ein Delinat-Blog geben wird. Aber das wird Corporate sein, mit wenig privaten Inhalten. Und ich habe gemerkt: das private Blog wird mir fehlen.

Kurz nachgedacht, was ist mein Thema – das war nicht schwer: Wein natürlich, im speziellen Biowein; und in den letzten Monaten (und eigentlich fast schon Jahren) immer mehr das, was man so Social Media nennt. Und die Domain socialwine.de war noch frei…

Also: willkommen hier in meinem neuen Blog. Thematik und Schwerpunkte werde ich in den nächsten Wochen und Monaten noch genauer fassen. Werde mich mit WordPress auseinander setzen (das Viva-Vino Blog läuft mit Serendipity Blog-Software). Werde das Design anpassen, Plugins installieren, Artikel schreiben. Und ich freue mich, wenn mir einige Leser meines alten Blogs (das im Übrigen von meinen Nachfolgern weitergeführt wird) hierher folgen!