Erstes Vinocamp in Deutschland

Erstes Vinocamp in Deutschland? Gut, dass ist für mich ein mehr als ausreichender Grund, mein seit April letzten Jahres brach liegendes Blog wieder zu beleben. Denn Regel 2 für Barcamps heisst:

„You do blog about barcamp.“

Der Anfang ist jedenfalls gemacht; am 28. Januar findet bei Dirk Würtz in der Königsmühle das erste Orgatreffen statt. Vielen Dank, Thomas und Dirk, für eure Initiative! Und ich bin sehr gespannt, ob das Vinocamp ein wirkliches Barcamp wird. Wünschenswert wäre es, denn das würde die WeinWeb-Szene in Deutschland sicher weiter bringen. Alle Themen rund um Web und Wein sind gefragt, Wissens- und Erfahrungsaustausch, auf professioneller wie auch auf privater „Amateur“-Ebene.

Vinocamp

Für die, die noch nicht wissen, was so ein Barcamp ist: Thomas hat ein hilfreiches Video und erklärende Links in seinem Blog, Dirk hat weitere Infos dazu, und Stefan hat die Barcamp-Regeln zusammen getragen. Das Vinocamp scheint ja tatsächlich einem Bedürfnis zu entsprechen: die Facebook-Gruppe wuchs in den ersten Stunden rasant (aktueller Stand: 148 Mitglieder, und der Tag ist noch nicht ganz zu Ende)!

Da viele Interessenten noch gar nicht wissen, wie so ein komisches Barcamp denn funktioniert, wäre es sicher hilfreich, wenn sich ein paar altgediente Barcamper finden würden, die Lust hätten, am Vinocamp teilzunehmen – ich kenne zumindest den ein oder anderen, der auch gern mal ein Glas Wein trinkt. Mal so ein ganz anderes Barcamp zu erleben und gleichzeitig den „Barcamp-Newbies“ zu vermitteln, worum es – abgesehen vom fachlichen – bei einer solchen Unkonferenz geht.

Oder umgekehrt: 90% der Leute, die sich jetzt für die Facebook-Gruppe „vinocamp“ angemeldet haben, sind noch nie auf einem Barcamp gewesen. Besucht doch einfach mal eins in eurer Nähe! Das macht wirklich Spass, hat was ganz eigenes und dient der Vernetzung – auch wenn man sich gar nicht so für irgendwelche „Techie-Sessions“ interessiert. Wir haben schliesslich auch schon Wein-Sessions auf Techie Barcamps gemacht 🙂 Gleichzeitig kann man herausfinden, warum sich eine mixxt-Community besser zur Organisation eines Barcamps eignet als eine Facebook-Gruppe.

Regel 8: If this is your first time at BarCamp, you HAVE to present. (Ok, you don’t really HAVE to, but try to find someone to present with, or at least ask questions and be an interactive participant.)

Winzer-Wissen, Webwissen, Social Media Zeugs – es sind ja keine Grenzen gesetzt, nur eben Interessenten für eure Sessions müsst ihr finden. Ich freue mich aufs Vinocamp – es scheint ja wirklich ein Treffpunkt aller zu werden, die sich in irgendeiner Form im WeinWeb bewegen.

Weitere Links:
Anmelden bei mixxt
La Gazetta del Vino
Drunken Monday

Update:
Eins habe ich noch vergessen: vielen Dank an den Charles, der nach dem Logo für die Weinrallye nun auch dieses hübsche Logo gestiftet hat!

Convention Camp 2009

Convention Camp Hannover 2009Gespannt war ich auf das Convention Camp, das am 26.11. in Hannover stattfand. Eine Kreuzung aus BarCamp und „normaler“ Konferenz, mit Keynotes und freie Session, knapp 1000 Teilnehmer, und das im Convention Center der Hannover Messe.

Was schon kurz nach der Ankunft auffiel: kein Sonntagmorgen-Kaffee, keine Walthers-Säfte, kein Tee von Pure Tea. Also definitiv kein BarCamp. Die Opening Session begann dann auch mit etwas langatmigen Grussworten, und die Anrede schwankte zwischen dem „Sie“ und dem auf BarCamps üblichen „Du“. Auch die Zahl der angebotenen Sessions hielt sich im Rahmen.

Convention Camp Hannover
Convention Camp Hannover

Sehr spontan allerdings kam ich dazu, selbst eine Session mit  anzubieten: Katrin Kiefer twitterte während der Opening Session, sie wolle mit Sebastian eine Session zum Thema „Non Profit Organisationen und Social Media“ anbieten. Ich bekundete – ebenfalls via Twitter – Interesse. Und wurde flugs dazu „verpflichtet“, diese mit zu halten. Ging dann auch gleich los – und es wurde tatsächlich ganz interessant: nach der Vorstellung von Katrins Masterarbeit zum Thema kam eine lebhafte Diskussion in Gang, da einige Vertreter von Non Profit Organisationen anwesend waren. Das Fazit am Ende: trotz teilweise verkrusteter Strukturen besteht gerade für Non Profit Organisationen eine  Chance in der Nutzung von Social Media, da diese ideelle Werte vermitteln, und in der Lage sein sollten, die Prinzipien Transparenz und Kommunikation in besonderer Weise zu nuten.

In der Folge erwies sich wieder einmal, dass es schwer ist, unter vier parallel laufenden, attraktiven Sessions eine auszuwählen. Vorträge und Diskussionen zur „Zukunft der Werbung im Internet“ und zu „Creative Analytics“ folgten, unterbrochen vom hervorragenden Mittagessen. „Creative Analytics“ machte den Konflikt zwischen den kreativen Designern und Anforderungen der Web Analytics zum Thema: erhält der Button die künstlerisch wertvolle Farbe oder die, die nach den Auswertungen am meisten geklickt wird? Ein spannendes Thema, leider verzettelte sich die Diskussion am Ende etwas.

Convention Camp Hannover 2009
Convention Camp Hannover 2009

Danach kam die Keynote von Jochen Krisch (Exciting Commerce Blog), der einen Ausblick auf den E-Commerce 2020 gab und die neuen Geschäftsmodelle im Onlineshopping in Visual, Social und Live Shopping unterteilte. Als Musterbeispiel nannte er zappos.com, wo Social Media tatsächlich Teil der Unternehmenskultur ist; anschliessend stellte er die Onlineshop Software Magento als zukunftsweisend vor. Wer sein Blog liest, kannte die Inhalte bereits. Trotzdem interessant, ihn einmal „live“ zu sehen.

Highlight war für mich am Ende die Keynote von Dirk Rockendorf, der die Chancen und Risiken beim Einsatz von Social Media beim Reifenhersteller Continental beleuchtete. Er schilderte die Herausforderungen, denen man sich dabei in einem traditionellen Unternehmen gegenüber sieht: von der Einwegkommunikation umzuschalten zum Dialog; zu begreifen, dass dieser Dialog nicht (nur) als Werbung gesehen werden kann, sondern vielmehr Chancen als Feedback-Kanal eröffnet, bei Markenbildung und -bindung unterstützt, auch Bekanntheit und Kundenzufriedenheit steigern kann. Dass der Kontrollverlust, den viele Entscheider befürchten, schon lange da ist: denn der Dialog mit dem Kunden ist nicht mehr wie früher in  Emails versteckt, sondern wird öffentlich in sozialen Netzwerken geführt. Ein weiteres Problem: die Zeitspanne Maßnahme-Wirkung ist lang im Vergleich zu anderen Online-Marketing Massnahmen.

Nachdem Continental bis 2008 eine mit der „ContiFanWorld“ eine eigene Community betrieben hatte, ist die neue „ContiSoccerWorld“ nur noch eine Microsite, die als Hub dient, und an die die verschiedenen Social Media Plattformen andocken. Eine eigene Community zu betreiben, sei nicht mehr zeitgemäss, sagte Dirk Rockendorf.

Interessant fand ich, dass Continental sich zwar mit erheblichem Aufwand engagiert, aber ein Konzept, eine Social Media Strategie genau wie Messung und Bewertung der Social Media Aktivitäten noch nicht ausformuliert sind. Auch die Tonalität der Kommunikation in Social Media ist noch nicht festgelegt und die Social Media Policy für Mitarbeiter wird noch entwickelt.

Dirk Rockendorf sagte, noch sei er im Kindergartenstadium, was das Engagement in Social Media angehe – erst in der Schule gebe es Noten dafür…

An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an die Organisatoren des Convention Camp; es war eine gelungene Veranstaltung!

Einige weitere Berichte zum Camp habe ich bereits gelesen; bei fast 1000 Teilnehmern wurde ja doch einiges geschrieben – hier eine Auswahl:

ConventionCamp 2009 Hannover – Nachbericht vonC-Visual PhotoArt
cch09: Camp bar Konventionen – Dirk Kirchberg im Blog der HAZ mit sehenswerten Video-Interviews
Fazit zum Convention Camp 2009 von Bastian Haug
Convention Camp 09: Mit Augenmaß ins Mitmachnetz bei heise
Die Mitmach-Konferenz zum Anhören im Kulissenblog
Convention Camp Hannover beim Powerflasher
Convention Camp 2009 bei FloBox
Social Media Nutzung in Non Profit Organisationen und cch09 im seblog
ConventionCamp Hannover im Francis Varga Flex/AIR/Flash Blog
ConventionCamp in Hannover: Eine Abrechnung von FrischGezwitschert
Reviews zum ConventionCamp 2009 von Dirk Rockendorf, der auch einen eigenen Bericht ankündigt