Kirschwasser mit Hertha-Tussi

Ein Besuch im Schwarzwald – Blog trifft Gastro 2015

Letztes Wochenende war’s so weit: Das meines Wissens älteste Genussblogger-Treffen im deutschsprachigen Raum ging ins 10. Jahr! Seit Anfang 2005 treffen sich Genuss- und Gastroblogger auf Initiative des Speisekartenbloggers Thorsten Sommer, um sich kennen zu lernen, auszutauschen, neue Erfahrungen zu machen – und vor allem, um gut zu essen und zu trinken!

Es gibt viele Tiere im Jägerstüble
BtG 15: Mit Wildschwein im Jägerstüble.

Vorweg: Das hat auch in diesem Jahr beim Blog trifft Gastro (#btg15) im Jägerstüble in Oberharmersbach (auch dank unserer bloggenden Wirtin Sonja!) wieder bestens funktioniert, wenn auch in relativ kleiner Runde. Der Speisekartenblogger fehlte zum allerersten Mal, auch Gastroblogger-Urgestein Gerhard Schoolmann war nicht da. Schade, aber sicher sind beide beim nächsten Treffen wieder dabei!

Spannend war für mich der Schwarzwald, an den ich eigentlich nur ein paar Kindheitserinnerungen hatte: Bahnfahrt mitten durch den Schwarzwald, bis zur Endstation der kleinen Regionalbahn, dann bis ganz hinten ins kleine Tal, das früher wohl finster und verrufen war, bis zum Jägerstüble. Kaum angekommen, durfte ich mit dem kulinarischen Schwarzwald Bekanntschaft machen: leckeres Bier, Jägerschnitzel (muss ja im Jägerstüble!) – und dann der erste Knaller: Das Kirschwasser vom benachbarten Bauern. Hier wird noch viel im  halb-privaten Rahmen gebrannt – schon, um die Brennrechte nicht verfallen zu lassen. Und wenn so etwas dabei herauskommt: perfekt! Im folgenden probierten wir noch weitere Brände anderer Nachbarn – bei immer angeregteren Diskussionen…

Schwarzwälder Kirschwasser
Der heimliche Star des Wochenendes: das Kirschwasser vom Nachbarn

Im ländlichen Schwarzwald werden offensichtlich noch viele Lebensmittel selbst hergestellt – wie z.B. das Brot und die Brötchen, die wir am nächsten Morgen zum Frühstück bekamen. Ich denke, es gibt wenige Hotels, die ihre Gäste mit selbst gebackenem Brot erfreuen. Lokale Wurstspezialitäten oder Tannenhonig vom Imker drauf – der Tag begann eindeutig gut! Am späten Vormittag stand die Besichtigung des Brennhisli auf dem Programm. Nach kurzer Brennereiführung gab es noch mehr Obst- und andere Brände zur Degustation. Spannend: Zibärtli, Topinambur und die Tatsache, dass ein so kleiner Familienbetrieb trotz guter Qualitäten und mehr als moderater Preise nicht mehr Zuspruch findet. Tipp: Man kann per Mail bestellen (PDF-Preisliste hier)!

Brennhisli
Im Brennhisli wurde früher nicht nur Schnaps gebrannt, sondern auch Wäsche gewaschen, Wurst gekocht und Brot gebacken.

Und schon ging es weiter zum nächsten Selbstvermarkter. Markus Schwarz, gelernter Metzger, hat es geschafft, den elterlichen Hof trotz geringer Grösse rentabel zu bekommen – durch Qualität und Selbstvermarktung. Zwar fanden wir, dass die Limousin-Rinder wenig Auslauf haben, aber immerhin wesentlich mehr als in „normaler“ Massentierhaltung. Ein Rindersteak haben wir denn auch nicht probiert, aber das typische Schwarzwälder Vesper mit Schinken, Leber-, Blut- und Bratwurst, frisches Bauernbrot, Bibbeleskäs, Tannenhonig und selbstgemachte Marmelade war toll! Dazu gab’s Most – den Schwarzwälder Apfelwein. Gewöhnungsbedürftig, aber durchaus passend. Überhaupt: Bibbeleskäs! Kann man nicht kaufen, nur selbst machen oder dort essen. Ein Rezept habe ich hier gefunden.

Vesperteller
Vesperteller: in der Mitte Bibbeleskäs, drumrum Wurstvariationen

Nach kurzem Spaziergang zurück versammelten wir uns wieder im Jägerstüble, wo Alexander von Halem, Schlossgastronom und seit kurzem fränkischer Winzer, uns seinen Silvaner vorstellte. Knackige Säure, würzig, modern – machte Lust, weitere Weine von Wein von 3 kennen zu lernen. Der Klingenberg Riesling aus dem Jägerstüble passte anschliessend wunderbar zu den Käsespätzle. Hinterher bildete der Kirschbrand des Nachbarn wieder die Kür.

Silvaner
Machte Spass und Lust auf mehr: der Silvaner von Wein von 3

Sonja als kommunalpolitisch engagierte, dazu noch bloggende Gastwirtin ist sicher kein Normalfall in diesem kleinen Schwarzwaldtal – aber am Stammtisch, wo wir an den Abenden Platz nehmen durften, offensichtlich voll akzeptiert. Später gesellte sich Nachbar A. zu uns. Seine Sicht der Dinge war oftmals interessant. Eine seiner Erzählungen schockte mich doch ein wenig: Ausbeutung rumänischer und afrikanischer Arbeiter in der Fleischindustrie gibt es nicht nur bei uns im Norden (Wiesenhof und Konsorten), sondern auch im Schwarzwald, wo unter anderen Edeka produziert. Und wer sein Personal ausbeutet, der macht auch vor Tieren nicht Halt und liebt wohl auch keine Lebensmittel – oder? Lebensmittel lieben die, die sie wirklich von Hand und mit Liebe produzieren – und von denen habe ich an diesem Wochenende einige getroffen.

Frühstück im Jägerstüble
Frühstück im Jägerstüble, Sonja im Sonntagsstaat

Am nächsten Morgen, beim nächsten köstlichen Frühstück, wurde über den Ort des nächsten Treffens beraten. Würzburg lag ziemlich weit vorn. Ich freue mich schon jetzt aufs #btg16! Oder um es mit der Küchenschelle zu sagen:

Hier noch der Bericht von Alexander von Halem zum Wochenende.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *