Apr 27
Weinrallye

Weinrallye

Die 50. Weinrallye, ein Jubiläum! – und das zweite Mal zum Thema Naturwein: Jetzt will Iris Rutz-Rudel etwas dazu lesen. So kann ich die Definition des Begriffs “Naturwein” aber Anderen überlassen (z.B. hier) und mich ganz dem Weinerlebnis widmen.

Weinerlebnis kann man wirklich sagen, denn der Besuch bei diesem Winzer ist jetzt fast zwei Jahre her und mir noch sehr eindrücklich im Gedächtnis. Der Wein, der jetzt vor mir steht, stammt noch von diesem Besuch: Ein Fendant* (= Chasselas = Gutedel) aus dem Jahr 2008. Der Winzer heisst Jacques Granges und das Weingut liegt im Himmel. Wirklich wahr, “Les vignes dans le ciel” steht auf dem Etikett und so ganz falsch ist das nicht: Auf 900 Metern Höhe im schweizerischen Wallis liegt die Domaine de Beudon. Wenn man dorthin will, muss man der privaten Seilbahn vertrauen – oder den steilen Aufstieg zu Fuss auf sich nehmen, was wir damals bevorzugten.

IMG_1137

Beschwerlicher Aufstieg...

Jacques Granges

Jacques Granges

Einige Hürden waren zu nehmen, zum Beispiel ein reissender Bergbach – der leider auch die Brücke schon mit sich gerissen hatte. Irgendwie kamen wir rüber, und als wir endlich oben ankamen und Jacqui uns grinsend wie ein Waldschrat erwartete, hatten einige von uns das Gefühl, nach beschwerlicher Expedition endlich das Ziel erreicht zu haben. Und oben war es ganz paradiesisch, trotz Nieselregens: Weinreben, Kräuter, Blumen, Kastanien- und Mandelbäume. Trockensteinmauern, Gemüse und Bienen. Biodiversität im Weinberg, so ganz selbstverständlich.

Dann wurde es noch besser: In der gemütlichen Küche wartete eine dampfende Gemüsesuppe auf uns – und Jacqui zog einen Wein nach dem anderen auf, spannend waren einige davon (Notizen habe ich keine, nur die Erinnerung): Unter anderem diverse Riesling x Sylvaner (= Müller-Thurgau) und Fendants, die ein Alter erreicht hatten, das für diese Rebsorten ganz und gar ungewöhnlich ist – aber tatsächlich zum Teil noch frisch und fruchtig genossen werden konnten. Eigentlich schmeckten alle Weine in diesen Stunden in der Küche, waren perfekt. Das konnte auch gar nicht anders sein, denn die Wahrnehmung von Wein ist subjektiv – und nach einer solchen Wanderung und einem solchen Empfang kann es kaum Enttäuschungen geben.

Bunter Weinberg

Bunter Weinberg

... der beste Platz ist immer in der Küche.

... der beste Platz ist immer in der Küche.

Aber einige Weine hielten auch zu Hause noch, was sie dort oben, “dans le ciel” versprochen hatten. In Erinnerung sind mir noch ein Riesling x Sylvaner von 2004 und ein Gamay von 2006. Mindestens 20 Weine degustierten wir, ein jeder brauchte seine Zeit, so dass wir stundenlang in der Küche sassen – bei dem grossen Topf Gemüsesuppe (aus dem eigenen Garten, die Granges sind Selbstversorger dort oben), der nicht leer zu werden schien und eben den Weinen. Mehrfach verschoben wir den Aufbruch, obwohl wir noch mit Marie-Therese Chappaz verabredet waren, der Star-Winzerin im Wallis. Als wir schliesslich dort angekommen waren, blieb nur noch Zeit für eine Verkostung auf Speed – aber das ist eine andere Geschichte.

Achso: Die Weine der Domaine de Beudon werden seit Jahrzehnten biodynamisch angebaut, nach Demeter-Richtlinien. Ich glaube, leicht geschwefelt sind sie schon, aber sonst ist nicht viel damit passiert. Naturweine. Non filtré.

Les vignes dans le ciel

Les vignes dans le ciel

Fendant zu Hause

Fendant zu Hause

Mein Wein gestern und heute Abend: Fendant 2008. Gestern Abend zum Apero musste man sich erst dran gewöhnen, keine Primäraromen, aber  intensiv, mineralisch und eindrückliche kräuterige, würzige Aromen, die sich am Gaumen fortsetzen. Heute Abend kommt er mir zugänglicher vor – oder liegt es daran, dass ich gerade die Geschichte aufschreibe? Wein ist eben subjektiv.

Was ich ausserhalb der Weine spannend fand: Die Tochter von Jacqui und Marion, schon längst erwachsen, erzählte uns von ihrem beschwerlichen Schulweg früher. Zu Fuss, wie sonst? Das arme Kind, denkt man sich. Eine Weile war sie weg, als sie erwachsen war, draussen in der Welt. Jetzt ist sie wieder da – mit ihrem eigenen Kind, das nun dort, “dans le ciel” aufwächst…

*Disclaimer: Ich arbeite bei Delinat, wo inzwischen auch ein Fendant der Domaine Beudon erhältlich ist, allerdings ein junger: Jahrgang 2010.

  • Share/Bookmark
Tagged with:
Mrz 19

Auf dem Vinocamp selbst hatte ich ja eher den Eindruck, die Zeit des Bloggens sei vorbei: Nur ein geringer Prozentsatz an Bloggern, viele Professionals und PR-Leute waren da. Jetzt, nur einen Tag später, muss ich meine Meinung revidieren: Es sind jetzt schon so viele Blog-Artikel zum Vinocamp online (Links zu den Artikeln weiter unten), wie ich das kaum je nach einem Barcamp erlebt habe. Man kann also über die Weinweb-Szene sagen, was man will: Lebendig ist sie – und das hat sich allerdings auch schon auf dem Vinocamp selbst gezeigt.

Vinocamp wird erwachsen?

Vinocamp

Hörsaal am Sonntag Morgen: Fehlerweinprobe beim Vinocamp

2011 war noch ein anderer “Spirit” da – eine richtig gehende Euphorie, Aufbruchstimmung war zu spüren. Das war in diesem Jahr anders. Die Frage war eher: Kann das Vinocamp noch halten, was es im letzten Jahr versprochen hat? Und auf Grund der Medienpräsenz im letzten Jahr kamen auch viele “Neue”, die wissen wollten, was da so vor sich geht. So war auch der Anteil der Agenturen und PR-Leute viel höher. Geschadet hat es nicht. Auch wenn in der Session “Quo vadis Vinocamp?” einige Teilnehmer gern mehr Sinnlichkeit auf dem Vinocamp gesehen (gefühlt?) hätten, für mich war die Vielfalt ein Gewinn. Und wenn im nächsten Jahr durch mehr Foodblogger noch mehr Vielfalt reinkommt – dann wird’s noch besser. Das darf durchaus als Aufruf und Einladung  an zufällig mitlesende Foodies verstanden werden, im nächsten Jahr dabei zu sein!).

Vinocamp = Barcamp

Wichtig war mir, dass der Barcamp-Charakter erhalten bleibt – und das trotz sicher mehr als 80% Barcamp-unerfahrenen Besuchern. Und es spricht sehr fürs Vinocamp, dass dem auch tatsächlich so war: Es fand Austausch statt, es wurde diskutiert, es wurde Wissen weiter gegeben. Das war sehr schön. Und wenn es dabei auch viel Spass und eine geradezu unglaubliche Menge von erstaunlichen bis zu unglaublichen Weinen zu verkosten gibt – dann schadet das auch nicht.

Fazit

Das Vinocamp wird sich entwickeln, da bin ich inzwischen sicher. Vielleicht sogar dahin gehend, dass es “Mutti” von vielen kleinen speziellen Themencamps wird, wie es Winzerblogger Thomas Lipperts Wunsch wäre. Und wenn diese Form der (Un)Konferenz auch so langsam bei den Weinbauverbänden eindringt, wie der Geisenheimer Campus-Manager Robert Lönarz es andeutete, dann ist das doch ein grosser Erfolg! Daher noch mal Gratulation und Dank an Thomas und Dirk, die diesmal wieder das Vinocamp massgeblich organisiert haben. Und ich wünsche mir, dass sie es 2013 wieder tun, denn sie sind ein tolles Team mit vielen Gegensätzen!

Meine Highlights

Das waren einige:

Es ist Prinzip eines Barcamps, dass man aus mehreren interessanten Sessions, die gleichzeitig laufen nur eine auswählen kann. Aber dass ich diese verpasst habe, ärgert mich heute noch:

  • Wie verdient man Geld mit Blogs?
  • Orange Wines Verkostung

Und hier die anderen Berichte vom Vinocamp, die viele Facetten zeigen:

Wahnsinn, oder? Und ich bin sicher, es kommen noch einige dazu: Ich werde versuchen, die Liste aktuell zu halten. Sollte ich jemanden vergessen haben, bitte Bescheid geben. Und in diesen Blogs, auf Facebook, Twitter oder gar im real life wünsche ich uns allen noch viele Diskussionen bis zum nächsten Vinocamp – so wie Jörg und einige andere das bereits angeregt haben.

Update, 20 Minuten später:

Update 2:

Update 3:

  • Share/Bookmark
Mrz 09
Weinrallye #49: Müller-Thurgau

Weinrallye #49: Müller-Thurgau

Müller-Thurgau – oder Rivaner, wie er genannt wird, wenn er etwas moderner sein soll – ist keine hoch geschätzte Rebsorte. Massenproduktion wird da vermutet, keine Substanz, flache und bescheidene Weine wird da oft gesagt. In der Schweiz heisst er Riesling x Sylvaner, das klingt etwas besser. Dort soll Herr Müller aus Thurgau die Sorte auch gezüchtet haben. Inzwischen ist allerdings erwiesen, dass kein Silvaner beteiligt war.

Ich mag Müller-Thurgau. Oder eben Rivaner. Man braucht ja auch mal einen Wein für den Alltag, der einen nicht ganz in Beschlag nimmt, sondern sich einfach gut trinken lässt. Und wenn er dann noch so frisch und saftig ist, neben Zitrusfrüchten auch florale Noten dem Glas entsteigen, Säure und etwas Restzucker in ausgewogenerem Verhältnis stehen: Dann macht er richtig Spass – und aktuell freut man sich noch ein bisschen mehr auf den Frühling.

Hirschhof Rivaner

Fast schon Frühling: Hirschhof Rivaner mit ganz neuem Etikett

Mein Müller-Thurgau heisst Rivaner* und kommt vom Hirschhof in Rheinhessen. Dort baut man seit 1991 biologische Weine an. Mit Engagement und  Erfolg. Und als Frühlingswein ist er ein Hit – als Sommerwein wohl noch besser. Wichtig ist: Jung trinken, nicht lange rumstehen lassen.

Zu essen gabs dazu ein geschnetzeltes Hähnchen – passte gut. Auch zum Tomme au Marc hinterher machte der Wein eine gute Figur. Und dann war die Flasche schon leer. Aber auch zum Thai-Curry könnte ich ihn mir gut vorstellen. Oder einfach so zum Apero.

Dieser Artikel ist mein erster Blog-Post seit über einem Jahr und der Wiederbelebung der Weinrallye gewidmet, dieses schönsten aller Blog-Events. Danke an Thomas für das wieder aufgenommene Engagement und an Natalie für die Ausrichtung der Comeback-Rallye. Ich freue mich, dass die Weinrallye wieder Fahrt aufnimmt und verspreche, wieder öfter dabei zu sein. Und überhaupt mal wieder ab und zu zu bloggen.

* Disclaimer: Den Hirschhof-Rivaner gibts bei Delinat, wo ich als Webmaster für Webshop und Online-Marketing zuständig bin.

  • Share/Bookmark
Jan 18

Erstes Vinocamp in Deutschland? Gut, dass ist für mich ein mehr als ausreichender Grund, mein seit April letzten Jahres brach liegendes Blog wieder zu beleben. Denn Regel 2 für Barcamps heisst:

“You do blog about barcamp.”

Der Anfang ist jedenfalls gemacht; am 28. Januar findet bei Dirk Würtz in der Königsmühle das erste Orgatreffen statt. Vielen Dank, Thomas und Dirk, für eure Initiative! Und ich bin sehr gespannt, ob das Vinocamp ein wirkliches Barcamp wird. Wünschenswert wäre es, denn das würde die WeinWeb-Szene in Deutschland sicher weiter bringen. Alle Themen rund um Web und Wein sind gefragt, Wissens- und Erfahrungsaustausch, auf professioneller wie auch auf privater “Amateur”-Ebene.

Vinocamp

Für die, die noch nicht wissen, was so ein Barcamp ist: Thomas hat ein hilfreiches Video und erklärende Links in seinem Blog, Dirk hat weitere Infos dazu, und Stefan hat die Barcamp-Regeln zusammen getragen. Das Vinocamp scheint ja tatsächlich einem Bedürfnis zu entsprechen: die Facebook-Gruppe wuchs in den ersten Stunden rasant (aktueller Stand: 148 Mitglieder, und der Tag ist noch nicht ganz zu Ende)!

Da viele Interessenten noch gar nicht wissen, wie so ein komisches Barcamp denn funktioniert, wäre es sicher hilfreich, wenn sich ein paar altgediente Barcamper finden würden, die Lust hätten, am Vinocamp teilzunehmen – ich kenne zumindest den ein oder anderen, der auch gern mal ein Glas Wein trinkt. Mal so ein ganz anderes Barcamp zu erleben und gleichzeitig den “Barcamp-Newbies” zu vermitteln, worum es – abgesehen vom fachlichen – bei einer solchen Unkonferenz geht.

Oder umgekehrt: 90% der Leute, die sich jetzt für die Facebook-Gruppe “vinocamp” angemeldet haben, sind noch nie auf einem Barcamp gewesen. Besucht doch einfach mal eins in eurer Nähe! Das macht wirklich Spass, hat was ganz eigenes und dient der Vernetzung – auch wenn man sich gar nicht so für irgendwelche “Techie-Sessions” interessiert. Wir haben schliesslich auch schon Wein-Sessions auf Techie Barcamps gemacht :-) Gleichzeitig kann man herausfinden, warum sich eine mixxt-Community besser zur Organisation eines Barcamps eignet als eine Facebook-Gruppe.

Regel 8: If this is your first time at BarCamp, you HAVE to present. (Ok, you don’t really HAVE to, but try to find someone to present with, or at least ask questions and be an interactive participant.)

Winzer-Wissen, Webwissen, Social Media Zeugs – es sind ja keine Grenzen gesetzt, nur eben Interessenten für eure Sessions müsst ihr finden. Ich freue mich aufs Vinocamp – es scheint ja wirklich ein Treffpunkt aller zu werden, die sich in irgendeiner Form im WeinWeb bewegen.

Weitere Links:
Anmelden bei mixxt
La Gazetta del Vino
Drunken Monday

Update:
Eins habe ich noch vergessen: vielen Dank an den Charles, der nach dem Logo für die Weinrallye nun auch dieses hübsche Logo gestiftet hat!

  • Share/Bookmark
Tagged with:
Apr 18

Iris Rutz-Rudel stellte das Thema der 32. Weinrallye: Pinot Noir – Spätburgunder sollte es sein. Nachdem die letzten Weinrallyes von der Beschaffung (Schweizer Weine, Naturwein) oder aber der Geschichte her (Faszination Wein) gar nicht so einfach waren, scheint dieses Thema doch machbar zu sein.

Blauburgunder aus der Schweiz

Was sich als Trugschluss heraus stellte: eigentlich hatte ich für meinen Beitrag einen Wein aus der Schweiz ausgeguckt, den Malanser Blauburgunder von Louis Liesch. Kollege Dominik hatte mich neugierig gemacht auf den Wein – mein Arbeitgeber Delinat vertreibt den zwar, aber ich hatte noch nicht das Vergnügen gehabt, ihn zu verkosten. So nahm ich mir denn bei meinem letzten Aufenthalt in St. Gallen eine Flasche mit.

Fussball und Wein geht nicht zusammen

Aber – das Vergnügen sollte mir verwehrt bleiben: als ich letzte Woche nach dem Fussballtraining nach Hause kam, fand ich Frau und Schwägerin am Tisch sitzend vor – zwischen sich eine geöffnete und fast geleerte Flasche Malanser Blauburgunder! Nach beider Aussage ein sehr feiner Wein; ich aber kann der Verbindung Sport und Wein nichts abgewinnen (im Gegensatz zu anderen Blogger-Kollegen), öffnete eine Flasche Bier und freute mich am Genuss der beiden.

Pinot Noir – entspannt geniessen

Den Malanser Blauburgunder findet man aber sehr schön bei Dominik beschrieben – inklusive Informationen zum Anbaugebiet Bündner Herrschaft und zum Winzer-Ehepaar. Heute Abend werde ich trotzdem die Weinrallye würdigen und eine schöne Flasche Pinot Noir von Dirk Würtz öffnen. Winzer und Wein sind im WeinWeb nahezu omnipräsent – daher werde ich mir die Beschreibung beider ersparen und ganz entspannt geniessen!

  • Share/Bookmark
Tagged with:
Mrz 25
Weinrallye

Weinrallye

Faszination Wein ist das Thema der Weinrallye #31, die Bernhard Fiedler in seinem Blog ausgerufen hat. Faszination Wein – das Thema ist für mich ein persönliches – wie kam es dazu?

Erste Berührungen mit Wein

Die erste Berührung mit Wein fand in jugendlichem Alter in Form einer 2l-Flasche Lambrusco statt – und hatte im Nachhinein gar nichts Faszinierendes. Das kam später und baute sich so langsam auf. Ich erinnere mich an Weinverkostungen in einem kleinen Weinladen, in den meine Mutter mich mitnahm. Das gefiel mir gut – und ich fand es spannend.

Dann erinnere ich mich an eine Tour durch das Napa Valley in Kalifornien, während eines längeren Aufenthaltes in San Francisco, als ich 20 war. Auch das gefiel mir gut – ich war aber noch nicht fasziniert.

Später, in Hamburg, war einer meiner Mitbewohner in der WG bekennender Weinfreak. Zusammen machten wir die Weinläden in Hamburg unsicher und verkosteten den ein oder anderen guten Tropfen. Die Sache fing an, interessanter zu werden.

Faszinierend: Wein und Speisen

Und dann, irgendwann, hat es “Zoom” gemacht (oder so): beruflich war ich damals im Schanzenstern in Hamburg, kochte frisch, biologisch und (hoffentlich) lecker. Ich merkte, wie gut sich Wein und Essen kombinieren lassen. Erst da fing die Faszination an.

Ein Schlüsselerlebnis: es muss vielleicht 1994 gewesen sein, mit ein paar Freunden und Kollegen war ich bei Christian Rach im Tafelhaus essen – damals, als das Tafelhaus noch in dieser kleinen unscheinbaren roten Hütte am Bornkampsweg in Hamburg residierte. Ich kann mich nicht genau an das Menü erinnern – aber irgendwo war Kalb dabei. Und dazu war uns ein Grauburgunder von Bergdolt empfohlen worden. Beides war sehr gut – aber erst in der Kombination faszinierend.

(Nett war auch, dass sich Christian Rach hinterher zu uns an den Tisch setzte und erzählte, er verfolge sehr genau, was wir dort im Schanzenstern machten, halte es für sehr spannend. 1994 war “bio” eben noch nicht so ein grosses Thema wie heute…)

Seitdem probiere ich, beruflich wie privat, mit Kombinationen von Wein und Speisen herum. Ich koche und esse gerne. Und trinke gerne einen guten Wein. Hochgenuss und Faszination kann sich zwar auch bei nur einer der beiden Komponenten einstellen – wenn beides zusammen passt, ist die Faszination aber garantiert!

Bergdolt Gewürztraminer Spätlese 1994
Bergdolt Gewürztraminer Spätlese 1994

Bergdolt Gewürztraminer Spätlese 1994

Nach dem Tafelhaus-Besuch vor über 15 Jahren war ich ein paar Monate später im Weingut Bergdolt in der Pfalz. Von diesem Besuch lagen noch einige wenige Flaschen im Keller. Geöffnet habe ich aus diesem Anlass eine trockene Gewürztraminer Spätlese von 1994. Die brauchte ein wenig Luft, aber dann zeigten sich die typischen Gewürztraminer-Aromen: mehr Litschi, weniger Rosenduft, dafür Honig. Am Gaumen eine präsente, noch frische Säure,  schlank und elegant – hier hätte ich mir allerdings ein wenig mehr Restsüsse gewünscht. Dafür gab es einen langen Abgang.

Dazu schmeckte uns gestern ein einfaches Abendbrot mit Graubrot, Rotwurst und würzigem Käse. Faszinierend.

  • Share/Bookmark
Tagged with:
Mrz 18

… jetzt schon seit einer knappen Woche; nach langer Vorbereitungs- und Konzeptphase ist es unter www.delinat-blog.com zu finden. Ich hätte es ja gern schon viel früher gestartet, aber jetzt muss ich rückblickend sagen: Eile mit Weile hat auch etwas für sich.

Zum einen musste ich mich als Delinat-Neuling erst mal mit dem Unternehmen vertraut machen; zum anderen musste Delinat sich ja auch erst mal mit dem Bloggen vertraut machen. Beides ist gelungen, denke ich – und bin sehr zufrieden mit dem neuen Web-Projekt.

Delinat Blog

Privates vs. Unternehmens-Blog

Ein Unternehmens-Blog in der Art war ja auch für mich als “alten” Weinblogger Neuland;  in meinem alten Viva-Vino Blog war viel Privates enthalten. Das ist nun sauber getrennt – und es sind doch viel mehr Dinge zu bedenken, wenn man Delinat als Ganzes repräsentiert. Da schreibt man nicht einfach so drauf los wie im privaten Blog. Das hat für mich viel Positives: Beiträge zu reflektieren, sie sowohl inhaltlich wie auch stilistisch erst mal mit den Kollegen durchzusprechen – das Ergebnis gewinnt an Qualität. Gleichzeitig muss man natürlich sehen, dass die Spontanität nicht zu kurz kommt; aber da bin ich ganz zuversichtlich.

Themen ohne Ende

Eine weitere positive Erfahrung ist die ungeheure Menge an Themen, an Möglichkeiten, die sich uns durch das Delinat-Blog nun bietet. Das Thema Wein natürlich, vor allem vertreten durch die Einkäufer, die ihre Geschichten nun im Blog publizieren können; das Thema Ökologie – neben den Winzern liefert das Ithaka-Journal spannende Inhalte; auch Internes, aus dem Kundendienst, aus dem Marketing, oder wo immer sich eben eine Geschichte auftut.

Dabei soll das Blog ein offenes System werden – auch für Beiträge von Winzern und Kunden. Wir wollen nicht nur Geschichten erzählen, sondern auch Austausch – und ich glaube, dass das Blog ein hervorragendes Tool zur Kommunikation (nicht nur) mit Kunden sein kann. Auch Kritik wird kommen – einen solchen Kommentar hatten wir schon – und ich bin überzeugt, dass wir ihr offen begegnen können. In dem Zusammenhang freue ich mich, eben auch in einem Unternehmen arbeiten zu können, in dem Transparenz möglich ist.

Ich jedenfalls freue mich über die positiven Reaktionen zum Blog-Start in anderen Blogs sowie auf Facebook und Twitter, bin gespannt wie es weiter geht – und wünsche mir euer Feedback hier oder eben dort,  denn ein Blog ist eben auch ein Prozess, der sich entwickeln muss!

  • Share/Bookmark
Tagged with:
Mrz 15

Wie in einem früheren Artikel berichtet, trafen sich im Dezember 2009 etwa 500 Winzer aus ganz Europa und verfassten ein “Manifest der Winzer”, das es in sich hat. Entscheidende Punkte dabei waren die Einbeziehung des Verbrauchers, absolute Transparenz in dem, was der Winzer macht und tut sowie die Förderung der Biodiversität in den Weinbergen.

Neben Hans-Peter Schmidt vom Delinat-Institut waren auch Lotte Müller-Pfeffer und Paulin Köpfer für Ecovin dort. Auf der Biofach 2010 in Nürnberg traf ich beide und befragte sie zu diesem Manifest:

  • Share/Bookmark
Tagged with:
Mrz 12

Nun ist es schon fast wieder eine Woche her: letzten Samstag war ich zum zweiten Mal in der Webciety Area der Cebit zu Gast. Im letzten Jahr war die Entwicklung des WeinWeb  Thema des Webciety-Panels; ausserdem hatten wir die erste chaotische, aber witzige Twitter-Weinverkostung in Deutschland über die Bühne gebracht.

Food 2.0 – Geniessen im Web 2.0

Dieses Jahr haben wir dann erweitert: Food 2.0 – Essen und Trinken im Web lautete der Titel unseres Panels – zu diesem Motto habe ich dann die Teilnehmer aussuchen dürfen.

Food 2.0 in der Webciety Area

Food 2.0 in der Webciety Area

Die Teilnehmer

So konnte ich ein bisschen über den Tellerrand gucken; nicht immer nur Wein! Hier die Teilnehmer im Einzelnen:

Für die Kochblogger-Fraktion kam Astrid Paul (Arthurs Tochter kocht); dass Web-Projekte nicht unbedingt mit Print konkurrieren müssen, sondern sich ergänzen können, belegte Effilee-Herausgeber Vijay Sapre. Für Kaffee und Mass Customizing steht nun schon seit zwei Jahren Till Achinger mit Sonntagmorgen. Die Weinblogs waren dann trotzdem stark vertreten durch unseren Weinfachberater Ultes, Dirk Würtz, der kurzfristig verhindert war und sich per Twitter zuschaltete – und ich selbst sehe mich ja auch als Weinblogger.

Berichte in Blog und Video

Astrid Paul hat einen schönen Blog-Artikel geschrieben – alles andere ist hier im Video festgehalten. Auf der Webciety-Seite muss man unter dem Start-Video auf “6. März” klicken, dann runter scrollen und auf “Food 2.0″. (Eigentlich wollte ich das Video hier direkt einbinden – aus irgendeinem Grund gibt es diese Möglichkeit nicht mehr, ich kann es nicht mal direkt verlinken. Schade, das ist eigentlich nicht sehr web-zweinullig…)

Aber es hat Spass gemacht – und vielen Dank noch für die – wirklich gut vorbereitete – Moderation durch Björn Negelmann!

  • Share/Bookmark
Tagged with:
Feb 22

So, nun ist auch der Beitrag von Iris Rutz-Rudel vom Weingut Lisson eingetrudelt, und ich kann mit der Zusammenfassung der 30. Weinrallye beginnen!  Iris’ Beitrag war mir wichtig, denn ich weiss, dass ihr das Thema am Herzen liegt, und sie sich schon lange intensiv damit befasst. 18 Beiträge sind es bei dieser 30. Weinrallye, darüber freue ich mich sehr. Ob des nicht einfachen Themas hatte ich mit weniger gerechnet – wenn auch nicht, wie Thomas Lippert es auf Twitter formulierte, mit der “kleinsten Weinrallye der Welt“.

Was ist nun also Naturwein? Vielfältige Begriffsdefinitionen gab es zu lesen: von der These, Naturwein gebe es gar nicht, da Wein per se ein Kulturgut sei, bis zu genauen Anforderungen. Hans-Peter Schmidt schlug vor (ebenfalls auf Twitter), den Begriff von “Naturwein” zu “naturbelassener Wein” zu ändern – ein nachvollziehbarer Vorschlag, wie ich finde. Als Kriterien wurden im einzelnen genannt:

  • ökologischer Anbau der Trauben, nach Möglichkeit bio-dynamisch
  • Verwendung von Rebsorten, die in die Region passen
  • Handlese
  • ganzheitliche Betriebsstruktur
  • Spontanvergärung
  • Verzicht auf die Nutzung von Behandlungsstoffen in Kellerwirtschaft und Weinbau
  • gering- oder unfiltrierte Abfüllung

Diese Punkte dürften die Zustimmung der meisten Teilnehmer finden. Umstrittener war der Einsatz von Schwefel: gar kein Schwefel im Naturwein? Oder sind geringe Mengen erlaubt? Das könnte auch abhängig von Region und Weintyp sein. Weitere Meinungen:

Thomas Lippert zitierte den Lyriker Mikel in seinem Beitrag, der fragte:

“ein Naturwein ist ein Wein in der Natur getrunken?”

Die einfachste und wohl radikalste Definition stammt von Hans-Peter Schmidt, der meint: “Naturwein ist ein Wein aus Trauben, frischer Luft, und sonst nichts.” Was nicht heisst, dass der Winzer im Keller entbehrlich ist, um einen (trinkbaren) Naturwein zu produzieren:

“Einen Naturwein zu keltern heißt ja nicht, anything goes. Es gehört Kunst dazu. Wissen, Gefühl. In der Natur liegt das Scheitern nahe. Das ist wie im Leben.”

Dem hält Bernhard Fiedler entgegen:

“Für mich ist Wein – wie ‘puristisch’ er auch immer gekeltert worden sein mag – kein Naturprodukt, sondern eine kulturelle Leistung.”

Naturwein oder naturbelassener Wein scheint also ein Thema zu sein, dass der Diskussion bedarf. Ich freue mich, wenn diese Weinrallye ein wenig dazu beitragen konnte. Was wohl Konsens sein dürfte: ein Naturwein ist – zumindest gegenwärtig – kein Mainstream-Wein, sondern ein spezieller Wein, der Erklärung braucht. Aber die Wahrnehmungen von Wein, die Geschmäcker und Trends können sich ändern. Wie Ecovin-Vorsitzende Lotte Müller-Pfeffer gestern im Gespräch über dieses Thema auf der Biofach sagte:

“Vor 10 Jahren wären einige Weine, die heute hochgelobt werden, als Weine mit Weinfehlern bezeichnet worden.”

Ich bin gespannt, wo die Entwicklung uns hinführt. Zur Vertiefung des Themas hier die Beiträge im einzelnen, in ungefährer chronologischer Reihenfolge:

  • Weinrallye #30 – Naturwein – vom Edekaner:
    Fritz Zickuhr fand das natürliche Vorkommen eines Battenfeld-Spanier Rieslings in seinem Weinkeller;
  • Weinrallye #30 – Naturwein von lamiacucina:
    Robert Sprenger ist der Meinung, ein verantwortungsvoller Winzer arbeite natürlich -  fand Dieter Meier und bescherte uns ein Wiedersehen mit Yello;
  • Bernhard Fiedler
    hält ein Plädoyer gegen den Naturwein, und spricht für die ordnende Hand des Winzers;
  • weinverkostungen.de
    Auch Thomas Günther leuchtet der Begriff nicht so recht ein – er verkostet einen Wein von Philipp Wittmann;
  • Mythopia Blog
    Hans-Peter Schmidt hält ein Plädoyer für naturbelassenen Wein;
  • St. Antony
    Florian Jungbauer gibt eine Begriffsdefinition als “Mittelweg zwischen modernen Arbeitsweisen, nachhaltigem Wirtschaften und hohem wissenschaftlichem Verständnis”;
  • boccafino
    Sven Ahlborn betont, dass ein Naturwein nicht einem Biowein gleich zu setzen ist und verkostet den VV 2004 von Jacqueline Bolli;
  • 2 x Baccantus – hier und hier;
    einmal die Begriffsdefinition an Hand von drei Beispielen und bei dem zweiten Link eine ausführliche theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff;
  • ein Gastbeitrag von Jennifer und Kevin Kelley aus Kalifornien hier auf Social Wine;
  • ein weiterer Gastbeitrag von Holger Schwarz aus Berlin;
  • ein Beitrag, der mich besonders freut: myexperience4u ist wieder da!
    Swetlana Kittke meint: “back to the nature” und verkostet einen Biowein aus Chile;
  • mein eigener Beitrag,
    eine Verkostung über 7 Tage des Clos des Martyres von der Domaine de Mythopia (s.o.);
  • “Weinrallye #30: Naturwein”
    Harald Steffens schliesst sich Bernhard Fiedler an, und sagt, Wein ist eine Kulturleistung; als Beispiel verkostet er den Steillagen-Riesling eines befreundeten Hobbywinzers;
  • “Weinrallye #30 – Naturwein” – Biowein Depot Blog
    Bernd Eck verkostet einen Regent aus der Pfalz;
  • BioFach .10 / Weinrallye Naturwein von ecowein
    Dominik Vombach suchte auf der Biofach nach einem Naturwein und verkostete dort zwei ungeschwefelte Weine;
  • Weinrallye #30 – Naturwein vom Winzerblog
    Thomas Lippert bedauert, dass die Trauben, die er verarbeitet, nicht aus ökologischem Anbau stammen – und er nur aus diesem Grund nach seiner eigenen Definition keinen Naturwein produzieren kann; er verkostet eine höchst spannend klingende 2005 Riesling TBA;
  • Weinrallye # 30: Naturwein ein Nachtrag aus französischer Sicht von Weingut Lisson – ein Winzertagebuch
    Iris Rutz-Rudel konstatiert, dass Naturwein in Frankreich schon lange ein Thema ist und führt einige Winzer auf, die für sie zu den bevorzugten Produzenten gehören.

Ich danke noch mal allen Teilnehmern für eine Weinrallye, die für mich sehr spannend war! Die nächste Weinrallye kommt aus dem Burgenland – in den nächsten Tagen wird Bernhard Fiedler Datum und Thema bekannt geben!

  • Share/Bookmark
Tagged with:
preload preload preload